Der Kreuzstein bei Schönwald

Der Kreuzstein bei Schönwald im Fichtelgebirge

Vor vielen Jahren gingen an einem Sonntag zwei Müllerburschen von der Grünauer Mühle zum Kirchweihtanz nach Pilgramsreuth. Sie haben ihre besten Anzüge an und ihren ganzen Wochenlohn in der Tasche. Im Tanzsaal geht es recht lustig zu und viele Burschen und Mädchen tanzen zu den Klängen der Musikkapelle. Auch die beiden Müllerburschen freuen sich ihres Lebens und sind beliebte Tänzer, denn so manches Mädchen wäre gern Müllersfrau. Die beiden Freunde machen sich ebenfalls Heiratsgedanken und hoffen, beim Tanz ihre zukünftige Frau zu finden.

So wäre auch alles ganz gut gegangen! Doch da bemerken die beiden Burschen, dass sie es beide auf das gleiche Mädchen abgesehen haben. Plötzlich spüren sie in sich das Gefühl des Neides und der Eifersucht. Sie trinken mehr als sie vertragen können, das Bier steigt ihnen in den Kopf und schon gehen sie mit geballten Fäusten aufeinander los. Aber einige andere Burschen treten dazwischen und trennen die beiden Rauflustigen.

Spät in der Nacht machen sich die Müllerburschen auf den Heimweg, jeder für sich allein. Auf dem Pfaffenberg lauert der eine dem anderen auf. In ihrer sinnlosen Wut vergessen sie, dass sie Freunde sind. Sie gehen aufeinander los und schlagen sich blutig. Doch das genügt ihnen noch nicht. Sie ziehen ihre Messer, bedrohen sich damit und stechen schließlich blindlings zu. Kurz darauf sinken beide mit tödlichen Wunden zu Boden.

Beim Morgengrauen findet sie der Förster im Walde. Er erkennt die Toten und verständigt ihre Angehörigen. Im Friedhof dürfen die beiden Mörder nicht beerdigt werden. Der Totengräber von Schönwald muss im Walde ein Loch graben und sie dort verscharren.

An der Mordstelle aber errichtete man zur Erinnerung an diese Bluttat und zur ewigen Mahnung einen Kreuzstein. Wer daran vorbeikam, betete ein stilles Vaterunser.

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