Der Schmied im Ochsenkopf im Fichtelgebirge

Der Schmied im Ochsenkopf im Fichtelgebirge

In Bischofsgrün lebte ein Schmied mit seiner jungen Frau und seinem einjährigen Mädchen. Neben seiner Schmiede bewirtschaftete er einige Äcker und Wiesen und hielt sich zwei Kühe.

An einem Sonntag ging er vor dem Kirchgang zu einem Feld und wollte schauen, wie weit das Korn gereift war. Plötzlich sah er am Waldrand eine alte, zerfallene Burg mit Graben, Zugbrücke, Tor und Burgfried. Noch nie hatte er vorher dieses Gemäuer gesehen.

Erschrocken, doch neugierig, näherte er sich. Auf einer steinernen Bank gewahrte er einen alten Mann, der ihn zu sich herwinkte. Dieser war in einen weiten Mantel gehüllt und trug einen zerknitterten Hut auf dem Kopf.

Mit dumpfer Stimme herrschte er den jungen Mann an: "Schmied! Willst Du meine Rosse beschlagen?" Diesem wurde es unheimlich zumute, zumal sich der Alte erhob und es dabei unter seinem Mantel wie Eisen und Stahl einer Rüstung klirrte.

Trotzdem war er einverstanden und ließ sich von dem Greis über den Burghof hinab in eine weite Halle führen. Das Tor fiel hinter ihnen mit lautem Getöse zu. Jetzt sah der Schmied eine unermesslich lange Reihe von Pferden stehen, daß er sie gar nicht überschauen, geschweige denn zählen konnte. Fassungslos brachte er hervor: "Die soll ich alle beschlagen?"

Aber der alte Mann wies mit der Hand auf einen starken Rappen, der gleich vorne am Tor stand, und erwiderte: "Eins für alle!" Er zeigte ihm auch das Schmiedefeuer, einen Amboss, Werkzeug und einen großen Haufen Hufeisen.
Jetzt machte sich der Schmied an die Arbeit, und bald hallten seine Hammerschläge durch den weiten Raum. Die Funken sprühten nur so und in kurzer Zeit, so schien es dem Schmied, hatte er das feurige Ross des Alten beschlagen.

Dankbar nickte ihm dieser zu und führte ihn wieder ins Freie. Gerade wollte der junge Mann nach seiner Entlohnung fragen, da war der Greis verschwunden. Auch von der Burg war nichts mehr zu sehen - nur ein großer Steinhaufen lag da.

Eiskalt lief es dem Schmied über den Rücken, und er verließ eilends den schaurigen Ort. Beim Gehen wurden ihm die Taschen seiner Joppe immer schwerer. Er griff hinein und hatte die Hände voller Pferdeäpfel. Wütend warf er sie hinter sich. Als er aber in die andere Tasche fasste, zog er eine Handvoll Goldstücke heraus. Schnell machte er kehrt und wollte die weggeworfenen Pferdeäpfel aufsammeln. Goldstücke fand er allerdings nicht, sondern nur einen Haufen dürrer Blätter.

So ging er heim und kam bald in die Nähe seines Hauses. Schon von weitem hörte er laute Hammerschläge aus seiner Schmiede.

Ein anderer Mann stand hinter seinem Amboss. Auch seine Frau erkannte ihn nicht und der kleine Bub, der vor dem Haus spielte, lief lachend zu dem fremden Mann in die Schmiede und reckte seine Ärmchen nach ihm aus. Ein hübsches Mädchen, etwa elf bis zwölf Jahre alt, saß auf einer Bank vor dem Haus und strickte.

Jetzt begriff der Heimkehrer alles. Mehr als zehn Jahre war er fort gewesen, und alle hatten ihn für tot gehalten, so dass seine Frau einen anderen Mann geheiratet hatte.


Das Mädchen auf der Hausbank war seine Tochter, die bei seinem Weggehen erst ein Jahr alt war. Er legte ihr das Gold in den Schoß, wandte sich traurig um und ging auf den Wald zu.

Kein Mensch hat ihn je mehr gesehen.

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