Geschichte in Thierstein

Geschichte in Thierstein im Fichtelgebirge

Der Name Thierstein findet am 20. März 1340 in einer Urkunde im Kreisarchiv Eger (Cheb) mit einem als Aussteller handelnden Albrecht der Nothaft von Tirstein seinen ersten Nachweis. Drei Jahre später, am 16. Juli 1343, belehnte Kaiser Ludwig der Bayer den genannten Albrecht Nothaft mit der von diesem „auf des Reichß Perg und Poden“ errichteten Burg Thierstein.

Am Ende des 14. Jahrhunderts verkaufte die Familie Notthafft die Herrschaft Thierstein, zu der auch die Märkte Thiersheim und Marktleuthen sowie eine Reihe von Dörfern in der Umgebung gehört haben, an den Markgrafen Wilhelm I. von Meißen. Von dessen Erben gelangte die Burg samt ihrem Herrschaftsgebiet 1415 an die Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern. Diese besetzten die Burg mit Amtleuten.

1603 befahl Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg die Auflassung der Burg und den Bau eines neuen Amtshauses außerhalb des Ortes Thierstein. Die Burg wurde dem Verfall preisgegeben.

Der Markt Thierstein wurde als Burgsiedlung gegründet. Ähnlich wie in Hohenberg an der Eger, wo die markgräfliche Regierung noch 1499 durch die Gewährung von allerlei Freiheiten bestrebt war, „das daselbst vor dem Sloss mehr Mannschaft gemacht würde“, werden auch die Nothaft ihre Burgsiedlung mit allerlei Rechten und Freiheiten ausgestattet haben, um Handwerker und andere Siedlungswillige anzulocken.

Dass die Nothaft durchaus in der Lage waren, Privilegien für die in ihrem Besitz befindlichen Orte zu erteilen, beweist eine Urkunde vom 10. Mai 1399, durch welche Markgraf Wilhelm I. von Meißen den Bürgern zu Thiersheim die Freiheiten, Rechte und Gewohnheiten bestätigte, die sie „vorher von dem Ehrbaren Peter Nothaft gehabt haben“.

Für das 15. Jahrhundert ist für Thierstein eine magistratische Verfassung mit eigenem Ratssiegel nachgewiesen. 1725 wurde der Ort durch ein im Pfarrhaus ausgebrochenes Feuer weitgehend eingeäschert und 1945 durch amerikanischen Artillerie-Beschuss teilweise zerstört.

Die weithin sichtbare Burgruine ist heute ein beliebtes touristisches Ziel; vom erhalten gebliebenen Bergfried genießt man eine herrliche Rundumsicht über den gesamten Innenraum des Fichtelgebirges bis in das Egerland hinein.

Dieser Albrecht Nothaft ist der erste große Kolonisator des Gebietes um Thierstein. Er legte viele Bauernhöfe, Pechöfen, Mühlen etc. im Reichsforst an. Die Nothafte von Thierstein nahmen deutlich eine Sonderstellung ein, worüber die Egerer bewegliche Klagen führten, die erst am 10. Januar 1396, nachdem Peter Nothaft (Sohn des Albrecht) Urfehde schwor, beigelegt wurden. Zur gleichen Zeit bahnten sich Verhandlungen zwischen dem Markgrafen Wilhelm von Meißen und Peter Nothaft an, die den Verkauf von Thierstein beinhalteten. Mit der Verkaufsurkunde vom 08.03.1398 fanden diese Verhandlungen ihren vorläufigen Abschluss.

Bereits ein Jahr vorher wurde ein burggräfliches Richteramt eingerichtet. Auch muss um diese Zeit die Erhebung des Ortes zum Markt erfolgt sein, da Thierstein bereits 1399 mit Leuthen (Marktleuthen) und Thierscham (Thiersheim) als „die Märkte“ genannt wird. Endgültig gelangt Thierstein am 12.Oktober 1415 durch Erbschaft und Kauf von den Markgrafen in die Hände der Burggrafen von Nürnberg. Thierstein wurde in den Hussitenkriegen (1419  1436), im Markgräflerkrieg (1553  1554), sowie im Dreißigjährigen Krieg (1618  1648) schwer heimgesucht.

Nachdem unser Gebiet 1385 zum „Burggrafentum ob dem Gebirg“ erklärt worden war, wurde durch Erbteilung 1437 eine Aufgliederung in Hauptmannschaften vorgenommen. Die fünf Ämter waren entstanden (Bez. seit 1492). Im Jahre 1504 wurde Hohenberg von Wunsiedel getrennt und seitdem ist der Begriff „Sechs Ämter“ in Gebrauch. Thierstein war eines dieser Ämter; der Amtssitz war die Burg. Die Burg wurde 1602 als Amtssitz aufgelassen Amtssitz wurde das im gleichen Jahre errichtete und heute noch unter dem Namen „Schlößlein“ unterhalb des Marktes liegende Gebäude.

Ein großes, wenn nicht überhaupt das größte Unglück in der Geschichte des Marktes brach vom 16. auf den 17. April 1725 über Thierstein herein. Durch einen Brand im Pfarrhaus, der sehr schnell auf die bereits 1695 durch Feuer zerstörte Burg übergriff und somit einen Funkenregen über den ganzen Ort auslöste, wurde alles in Schutt und Asche gelegt. Dieses Unglück, durch Wassermangel begünstigt, veranlasste den damaligen Richter Johann Melchior Öchsler, sich mit aller Kraft für eine Wasserversorgung des Marktes einzusetzen. Schon am 25.Mai 1729 konnte diese neue Wasserleitung (Röhrwasser), die den Röhrwasserkasten neben dem Brauhaus (heutiges umgeb. Rathaus) mit Wasser versorgte, eingeweiht werden. Zwei vor der Röhrwasserleitung existierende Brunnen, also Brunnen, die bis in die Entstehungszeit von Thierstein zurückreichen, wurden im Jahre 1991 (Johann-Melchior- Öchsler-Brunnen) 
und im Jahre 1994 (Bürgermeister-Andreas-Meyer-Brunnen) durch den Arbeitskreis  Heimatforschung Thierstein wieder geöffnet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Weitere Brandkatastrophen am 13. Juli 1846 vernichteten den rechten, am 18. Juli 1866 den linken Straßenzug um den Marktplatz zur Kirche gesehen.

Der Bergfried der Burg erhielt 1857 die steinernen Treppen und 1863 die Bedachung.

Thierstein erhielt 1860 eine Briefablage, die 1889 in eine Postablage umgewandelt wurde. Von 1885-1914 existierte eine Postexpedition mit täglich zweimaliger Kariolverbindung (Pferdefuhrwerk) nach Marktleuthen. Telegraphenanstalt mit Morsebetrieb folgte 1896, welcher 1908 durch den Fernsprecher abgelöst wurde. Im Jahre 1939 entstand aus der Postagentur das Zweigpostamt; Poststelle nach Abstufung vom Postamt 1994 (heute seit Ende 1995 Postagentur).

Die Bahnlinie Selb - Holenbrunn wurde am 30. April 1914 in Betrieb genommen. Die Einstellung des Personenverkehrs erfolgte am 26. September 1986, während die Einstellung des Güterverkehrs am 29. Mai 1988 folgte.

Am 01.Oktober 1920 wurde die Ortswasserleitung nach Einbau von Wasserspeichern im Inneren der Burgruine durch Bürgermeister Andreas Meyer ge baut und eingeweiht. Der Umbau des alten Kommunbrauhauses fand im Jahre 1922 statt (weiterer Um- und Anbau 1970).

Beim Beschuss durch amerikanische Artillerie am 20. April 1945 wurden die Kirche und 15 Wohngebäude zerstört. 1953 wurde die kath. Kirche erbaut.

Ein weiterer wichtiger Abschnitt begann 1956 mit dem Bau der Kanalisation, dem dann Schritt für Schritt der Ausbau der Ortsstraßen folgte. Im Jahre 1959 wurde unter Bürgermeister Schoberth mit dem Bau der Wasserversorgung aus den Quellen der „Gollnerwiese“ und des „Flurbrunnen“ begonnen. Mit der Einweihung der neuen Wasserversorgung aus dem Markt Thiersheim, der Bau wurde unter Bürgermeister Kiesel 1997 begonnen, am 30. Juni 1998 wurde ein „Jahrhundertbauwerk“ durch die Einweihung abgeschlossen. 1986 - 1988 erfolgte der Neubau einer biologischen Kläranlage und 1994/1995 der Erweiterungsbau der Kläranlage. Die neue Straße zur Burg wurde nach zweijähriger Bauzeit am 07. Mai 1976 durch Bürgermeister Thoma eingeweiht.

Die im Jahre 1558 zur Pfarrkirche erhobene heutige ev.luth. Kirche „St. Georg“ (man spricht heute fälschlicher weise von der Michaeliskirche) musste sich im Jahre 1979 einer umfassenden Renovierung unterziehen. Durch Feuer wurde sie in den Jahren 1667 und 1725 zerstört. Nach der Wiederherstellung erhielt die Kirche auch 1762 einen neuen Turm, der zu vor im Jahre 1761 ganz abgetragen werden musste. Nach einer Restauration 1899/1900 fiel sie am 20. April 1945, wie schon erwähnt, den Flammen abermals zum Opfer und brannte vollständig aus. Wiedereinweihung war 1949. In diesem Jahr bekam der Turm der Kirche auch wieder seine erste Glocke, während zwei weitere 1951 folgten (Schlagmelodie unserer heutigen Glocken g'1/4 b'1/4 c“1/4).

Soviel in Stichworten zur Geschichte unseres Marktes Thierstein. Sollten Sie allerdings weiteres erfahren wollen, so dürfen wir Sie auf die Schriftreihe „Markt Thierstein“, bzw. an den Arbeitskreis  Heimatforschung Thierstein und die Marktgemeindeverwaltung, Rathaus, Marktplatz 1, 95199 Thierstein, Tel. 09235/232/967193, Fax. 967194 verweisen.

Ruinenzeichnung des Plassenburg-Kartographen Johann Christof Stierlein von 1816. Original in der Bayerischen Staatsbibliothek München
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