Luisenburg in Wunsiedel

Luisenburg in Wunsiedel im Fichtelgebirge

Die Luisenburg

Noch immer sind inmitten der Felsen die Reste der alten Luxburg (Losburg) zuerkennen, die dem nordöstlichen Ausläufer des Kösseinestocks den ersten Namen gab. Wer einen kundigen Führer hat, kann auch noch die alte Straße finden, die einst nur wenige Meter unterhalb der Burg über den Berghang lief.

Sie läßt sich nach Südwesten über Schurbach und Riglasreuth bis Kemnathverfolgen und nach Nordosten über Wunsiedel, Höchstädt und Selb bis Asch.

Es muß die Aufgabe der Luxburger gewesen sein, Handelszüge, die auf dieser Straße fuhren, durch das unwirtliche Waldgebiet zu geleiten. Da ungefähr 150 m östlich der Luxburg Reste einer zweiten Burg nachzuweisen sind, kann vermutet werden, dass sogar zwei Familien von den Geleitszöllen der Straße ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten.

Als aber mit der fortschreitenden Besiedlung des Fichtelgebirges sich bequemere Straßenrouten auftaten und die Wege über die Berghänge verödeten, wurden die Luxburger den Kaufleuten feind. Von ihren Überfällen auf Handelszüge, die andere Straßen benutzten und von dem schlimmen Ende, das ihnen die Bürgerder Stadt Eger durch listige Einnahme der unbezwinglich erscheinenden Felsenburg bereiteten, erzählen viele alte Chroniken.

Nach der Zerstörung der Raubschlösser blieb das Felsengebiet ein verrufener Ort. Obwohl es in der Folgezeit zum Besitz der Stadt Wunsiedel gehörte, wagte sich nur noch ganz selten jemand hinein, in die ungeheuere Wildniß von Fichten und Tannen, Wacholder und anderen Bäumen, zwischen die entsetzlichen Klippen und Felsen, die düsteren und modrichten Spelunken und Löcher, welche rechte Wohnungen der Nachteulen, Uhuhen, Geyern und anderer großer Raubvögel sind, wie im Jahre 1716 der Wunsiedler Arzt Dr. Christoph Pachelbel v. Gehag schrieb.

Er war einer der ersten, der die ganze Felsenwirrnis durchforschte. In seiner Beschreibung des Fichtelgebirges gibt er einen genauen Bericht über diese Exkursion und erwähnt dabei auch die damals noch vorhandenen Ruinenmauern der beiden Burgen.

Das Felsenlabyrinth

erschließt dem Wanderer ein Naturerlebnis ganz besonderer Art. Diese Naturlandschaft prägt auf einmalige Weise den Naturpark Fichtelgebirge und beeindruckte schon Johann Wolfgang von Goethe.

Er beschriebdas Labyrinth, das er 1785 und 1820 durchstieg, wie folgt: Die ungeheure Größe der ohne Ordnung, Spur und Richtung übereinandergestürzten Granitmassen gibt einen Anblick, dessengleichen mir auf allen meinen Wegen niemals wieder vorgekommen ist.

In ähnlicher Weise, wie der Arzt Dr. Christoph Pachelbel v. Gehag, hat auch der junge Legationsrat Johann Wolfgang Goethe das Gebiet der Luxburg mühsam durchkrochen, als er sich im Juni 1785 zu naturwissenschaftlichen Studien im Fichtelgebirge aufhielt. Ihn reizten nicht die alten Burgruinen, sondern die zahllosen, alle Beschreibung und Einbildungskraft überragenden, in sich zusammengestürzten und getürmten Felsmassen, von denen er bekannte, daß sie einen Anblick gäben, dessengleichen mir auf allen Wanderungen niemals vorgekommen ist.

Lange Zeit beschäftigte Goethe die Frage nach der Entstehung des Felsenchaos, das man damals noch allgemein auf ungeheuere Erdbeben und vulkanische Ausbrüche zurückführen wollte. Als er mit 70 Jahren im Frühjahr 1820 von Weimar zu einer Kur nach Karlsbad reiste, nahm er den Weg über Wunsiedel und Alexandersbad, um nochmals die Luisenburg durchgangen und durchstiegen zu haben, bevor er der wissenschaftlichen Welt die ihm gewordene Erkenntnis vorlegte, dass das Übereinanderstürzen der Felsen nicht durch Erdbeben, sondern durch Verwitterungsvorgänge zustande gekommen sei.

Als Goethe im Jahre 1820 die Luisenburg zum zweitenmal besuchte, fand er sie sowohl dem Namen als der Gestalt nach völlig verändert vor. Aus der düsteren Luxburg war die Luisenburg geworden, aus der Grauen erweckenden Wildnis des Felsenlabyrinths (das Wort geht auf Goethe zurück) eine durch architektonische Gartenkunst spazierbar gemachte Anlage.

Es war dies das Werk eines Wunsiedler Gesellschaftskreises, der zuerst nichts weiter beabsichtigt hatte, als auf dem damals noch unbewaldeten Vorgelände der Luxburg gemeinsam mit Sommergästen des Alexandersbades kleine Festlichkeitenzu veranstalten.

Der Erfolg dieser Zusammenkünfte brachte neue Pläne. Von 1790 an begann man in die Felsenwildnis hineinzudringen, sie durch Einebnen von Schluchten und Austrocknen von Sümpfen begehbar zu machen und durch hübsche Anpflanzungen parkähnlich auszugestalten. Man schuf den großen Gesellschaftsplatz (den Raum zwischen der heutigen Gaststätte und der sog. Klingergrotte) und mitten zwischen den Felsen einen intimen Theaterplatz (beim heutigen Eingang zum Labyrinth).

Den Endpunkt dieses ersten Teils der Erschließung des Luxburggebiets markierte man mit der Inschrift: Bis hierher und nicht weiter.

Noch immer galt um diese Zeit der Name des Berges, bald Luxburg, bald Losburg geheißen, als Schauderndem. Als nun im Sommer 1805 das preußische Königspaar in Alexandersbad weilte und von dort aus den Felsenpark besuchte,nahm man gerne die Gelegenheit wahr, dem Berg einen neuen Namen zu geben und ihn nach der schwärmerisch verehrten jungen Königin Luisenburg zu nennen.

Der Hauptinitiator der Erschließung der Felsenwildnis war der Wunsiedler Bürgermeister und Kreisarzt Dr. Johann Georg Schmidt gewesen. Nach dem Ende der französischen Besetzung des Bayreuther Landes (1806-1810) führten drei seiner Söhne ab 1811 das Werk des Vaters fort. Unterstützt von Gästen des Alexandersbades und anderen vermögenden Freunden machten sie den Bereich der beiden Burgen und die daran anschließenden Felsenpartien zugänglich. 1815 errichtete man auf dem höchsten Punkt des Geländes ein Kreuz, 1819 bezog man als letztes noch die Gegend um die sog. Dianaquelle mit in die Anlagen ein. 1820 war die Erschließung gerade vollendet und Goethe sah sie zwar romantischer ausgestattet als heute, sonst aber in der gleichen Gestalt, wie sie nun schon mehr als 150 Jahre lang unzählige Besucher erlebten und noch erleben.

Denn mit ihrer Erschließung war die Luisenburg zur größten Attraktion des Fichtelgebirges geworden. Von weither kamen die Leute um das Felsenlabyrinth zu sehen, das in fast ganz Europa nichts Vergleichbares hat. Man durchwanderte es nicht nur, sondern veranstaltete darin Zusammenkünfte der verschiedensten Art, Vereinstagungen, Sängertreffen und nächtliche Lampionfeste. Auch gab es nie einen hohen Gast in Wunsiedel, den man nicht durch die Luisenburg geführt hätte.

Darum war es den Wunsiedler Bürgern eine Selbstverständlichkeit, im Jahre1890 das hundertjährige Jubiläum der Erschließung der Luisenburg festlich zubegehen. Zum Festtag fanden sich erstaunlich viele Reporter bekannter Zeitungen ein. Sie kamen alle wegen des berühmten Felsenlabyrinths, und vergaßen dann in ihren Berichten alle das Labyrinth über etwas ganz Neuem und Unerwartetem, über dem Festspiel, Die Losburg, das die Geschichte der Raubritter zum Inhalt hatte, vor allem aber über der herrlichen Freilichtbühne auf dem Maximiliansplatz mit der gigantisch aufsteigenden Felsenkulisse.

Die älteste Naturbühne in Deutschland

Mit diesem 20. Juli 1890 begann der dritte Abschnitt der Geschichte der Luxburg/Luisenburg, die Zeit der Festspielsommer. Nun wurde die Naturbühne, die nicht nur die älteste in Deutschland ist, sondern die sich auch rühmen kann, die schönste zu sein, zum Glanzpunkt der Felsenlandschaft der Luisenburg.

Auf sie konzentrieren sich heute die Gedanken und Werbungen, sie steht heute für den Namen Luisenburg. Aber wenn auch dadurch die Bedeutung des Felsenlabyrinths eine Abschwächung erhielt und die einstige romantische Parkanlage mit Blumengärtchen, Wasserfällen und Pavillons inzwischen sich weithin wieder zum natürlich gewachsenen Wald wandelte, so ist doch die Anziehungskraft, die von den ungeheueren Felsengebilden auf Menschen der letzten Jahrhunderte ausging, noch immer lebendig.

Die Besucher der Festspiele und die Besucher des Labyrinths halten sich heute in etwa die Waage; fast in jedem Jahr zählt man mehr als hunderttausend.

Luisenburg Festspiele in Wunsiedel im Fichtelgebirge

Luisenburg Festspiele in Wunsiedel

Willkommen bei den ältesten Freilicht-Festspielen Deutschlands auf der einzigartigen Naturbühne, am unteren Ende des Naturdenkmals "Felsen-Labyrinth".

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