16.07.2014

von B° RB

IPHIGENIE AUF TAURIS

Premiere von IPHIGENIE AUF TAURIS, FR, 18. Juli, 20:30 Uhr, Luisenburg-Festspiele

IPHIGENIE AUF TAURIS

Am Freitag, dem 18. Juli, um 20:30 Uhr, präsentieren die Luisenburg-Festspiele mit Goethes Klassiker „Iphigenie auf Tauris“, jenes Drama, das 1914 die Ära des professionellen Betriebes, des sogenannten Künstler-Theaters einleitete.

Damals brillierten die Max-Reinhardt-Schauspieler Helene Thimig und Werner Krauß in den Hauptrollen als Iphigenie und König Thoas. – Letztgenannter, der zum bewunderten Theater- und Filmstar aufstieg, schwärmte noch 60 Jahre später in seinen „Lebenserinnerungen“ von diesem Auftritt und dieser Bühne: „die Vorstellung war deswegen so schön, weil die Naturbühne so schön ist“, erklärte der Darsteller und meinte, „man könne glauben, wenn die Iphigenie hinter den Felsen abginge, da hinten rausche das Meer“, so der Star in seinen Beschreibungen.

Und Deutschlands bekanntester Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der das Werk in seinem Dramen-Kanon an vorderster Stelle als „Goethes Meisterwerk“ preist, begreift es als „viel zu unterschätzt“ und „vor allem modern". Reich-Ranicki, der auchden Schauspieler Krauß noch selbst erlebte, erzählte über diesem: „Wenn er auf die Bühne kam, war die Figur, die er spielte, sofort da - ohne dass er etwas gesagt oder getan hätte.“ – Eine Qualität, die man auch dem Film- und Theaterschauspieler Michael Brandner bestätigen kann, der dem breiten Publikum seit der Fernsehserie „Rote Erde“ durch zahllose Rollen vor Augen steht und zuletzt auf der Leinwand mit „Wunderkinder“ als weltweit bester ausländischer Film auf vielen Festivals triumphierte und in George Clooneys Produktion „The Monuments Men“ zu sehen ist.

An seiner Seite agiert die den Zuschauern ebenso vertraute Lara Joy Körner, die in Goethes „Stella“ ihr Bühnendebüt feierte und durch Fernsehserien wie, „Das Traumschiff“, „Derrick“, „Tatort“ und viele Abendfolgen zur besten Sendezeit weithin bekannt ist. In der Rolle der Iphigenie erlebt sie an eigener Haut den gewaltigen Konflikt von „Natur“ und „Kultur“ in Form einer Gesellschaft, die vor menschlichen Opfern nicht zurückschreckt und europäischer Ideale, die sich die Menschenrechte auf die Fahne geschrieben haben.

Iphigenie und König Thoas, das meint eine gefährliche Gegenüberstellung, die Goethe selbst als „verteufelt human“ bezeichnete und ihn über acht Jahre lang an der Dramenfassung arbeiten lies. – „Verteufelt“, weil die Ideale, für die Iphigenie steht, so herausfordernd hoch gegriffen sind, „human“, weil das Schauspiel den unbedingten Einklang zwischen Wille und Notwendigkeit „Kopf“ und „Bauch“ zu erzwingen sucht.

Nicht zufällig vielleicht, liegt das damalige Tauris an der heutigen Krim und umspannt konfliktgeladene Auseinandersetzungen, die auch zwischen heutigen Regierungsstilen wie etwa dem von Putins Russland und dem dialogisch-orientierten Europa unter Angela Merkel denkbar wären.

Regisseur Wolfgang M. Bauer wirkte am Bayerischen Staatsschauspiel, am Wiener Burgtheater oder etwa dem Schauspielhaus Zürich und wurde für seine Leistungen unter anderem mit dem Bayerischen Staatspreis für Schauspiel ausgezeichnet. Mit seiner Klassiker-Inszenierung von Tschechows „Möwe“ 2006 hat er bereits bei den Luisenburg-Festspielen auf sich aufmerksam gemacht und scheut das „verteufelt humane“ Werk nicht, sondern erarbeitet die diesjährige „Iphigenie“ in Aktion und Ausstattung modern und lebendig. Ihm steht mit Kostümbildner Herbert Kapplmüller ein erfahrener Kopf zur Seite, der an den großen Theatern in Bregenz, Wien, Zürich, Hamburg, Berlin oder München, bereits mannigfaltige Erfolge feierte.

Insbesondere den Umgang mit „Lüge“, „Wahrheit“ und „Gefangenheit“ rückt dieses Regieteam ins Zentrum seiner Produktion. – Denn wie sagt doch Iphigenie, „Frei atmen macht das Leben nicht allein.“

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