DerTitel „Stadt“

Es war nur allzu verständlich, dass sich die Gefreeser eifrig bemühten, den Titel „Stadt“ zu erlangen. Schon am 19. Juli 1826 wendete sich der Magistrat an die Regierung der Obermainkreises in Bayreuth um Zuerkennung dieses Prädikats. Doch das Gesuch fand taube Ohren. Wahrscheinlich wäre Gefrees trotzdem zur Stadt erhoben worden, wenn das Rentamt noch seinen Sitz im Ort gehabt hätte. Doch die Gefreeser ließen sich nicht entmutigen und richteten 1845 zum zweiten Male an den König die Bitte um Erhebung in die Reihe der Städte, aber wieder stießen sie auf Ablehnung. Mit ihrer angeborenen Beharrlichkeit wagten sie schließlich auch den dritten Versuch und dann gelangte endlich der heißersehnte Erlass nach Gefrees:

Ludwig II.
„Nachdem die gepflogenen Erhebungen ergeben hatten, dass der Marktgemeinde Gefrees, Bezirksamt Berneck, schon im Jahre 1544 städtische Rechte landesherrlich verliehen und dass dieselbige im vorigen Jahrhundert auch vielfach im amtlichen und außeramtlichen Verkehr als Stadt bezeichnet worden ist, finden Wir Uns auf das allerunterthänigste Ansuchen der genannten Gemeinde bewogen, die Aufnahme derselben in die Klasse der Städte allergnädigst zu genehmigen. Hiernach habt ihr unter Rückempfang der Beilagen des Berichts vom 23. Januar ds. Js. das Weitere zu verfügen.“
München, 26. Februar 1880 L u d w i g

In dieser Zeit des Kampfes um das Stadtrecht gab es noch andere Sorgen, die die Gefreeser bedrückten. Am 14. Januar 1833 brannten drei Häuser und vier Scheunen sowie der Turm der Kirche ab. Im Jahre 1852 herrschte eine große Hungersnot. Der Metzen Korn kostete derzeit 5 Gulden und Kleie wurde zu Brot gebacken. Zwei Menschen sollen verhungert sein. Das größte Unglück jedoch geschah, wie bereits erwähnt, 1872, als Gefrees fast gänzlich abbrannte und große materielle Werde sowie nahezu alle geschichtlichen Aufzeichnungen vernichtet wurden. Unter der Führung des damaligen Bürgermeisters, Apotheker Petzet, begann die Gemeinde mit dem Wiederaufbau. Sein Nachfolger war der Kaufmann Georg Jahreiß. Während seiner Amtszeit (1876 – 1881) wurde die St.-Johannis-Kirche wieder aufgebaut, deren Grundsteinlegung am 4. Juni 1876 stattfand. Bald konnte die Gemeinde deren feierliche Einweihung begehen. Alle Bewohner hatten ihren Beitrag geleistet, das Gotteshaus schöner und größer als die drei gleichnamigen vorherigen Kirchen entstehen zu lassen. Mit der direkt an die Hauptstraße gebauten Kirche hatten die Gefreeser wieder ein Wahrzeichen, welches es bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Als die Kirche vor einigen Jahren aufgegeben werden sollte, verwahrte sich die ganze Einwohnerschaft dagegen. Nicht zuletzt erinnerte man sich daran, welchen Fleiß und Schweiß der Aufbau den vorfahren gekostet hatte.

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