Die kirchliche Geschichte sah der Historiker so:

Die Religion der Urbewohner unserer Gegend bestand in der Verehrung slavischer oder heidnischer Götzen. Ihre angesehendsten Priester und Priesterinnen waren Glieder des durch Kaiser Claudius in Gallien unterdrückten celtischen Priesterordens der Druiden, welche sich auch in unserer Gegend niedergelassen hatten. Sie unterrichteten das Volk über dich Macht der unsterblichen Götter, über die Gestirne und ihren Lauf, über die Welt und die Größe der Erde und besorgten die „öffentlichen und privaten Opfer“. Sie waren aber auch Naturkundige und Weissager, zu denen man bei Krankheiten Zuflucht suchte und neben Rat auch Kräuter erhielt. Außer dem „guten“ Gott Belboc und den „bösen“ Gott Zerneboc verehrten sie auch den Radegast als Gott des Krieges, von dem die Namen der benachbarten Orte Schorgast, Leugast und Trebgast abgeleitet wurden. Ihre heiligen Plätze wurden nach der Sprache der Slaven „Köstel“ oder „Kosicat“ genannt. Daher mag auch der „Kesselberg“ seinen Namen haben, wo man den Gott des Donners „Percun“ verehrte. Vielleicht sieht hier auch Böseneck den Ursprung seines Namens, weil dieser Gott auch unter den Namen „Ozek“ oder „Ossek“ verehrt wurde.

Die Einführung des Christentums: „Nachdem noch lange der Schatten der traurigen Finsternis auf unseren Gegenden lag, so erhob sich schon mehrere Jahrhunderte vorher“, schreibt Ellrodt, „die freundliche Morgenröte des evangelischen Lichtes an den Gestaden des Rheins.“ Schon im zweiten und dritten Jahrhundert wurden bischöfliche Sitze dort errichtet. Karl der Große, dem die Ausrottung des heidnischen Gotzendienstes besonders am Herzen gelegen hat, ließ in Franken später 14 Kirchen zur Erleichterung des christlichen Unterrichts und zum Empfang der heiligen Weihe des Christentums erbauen. Er stiftete mehrere Bistümer – darunter Würzburg (742), welchem diese 14 Kirchen unterordnet wurden. Kaiser Heinrich II. war es, der unsere Distrikte dann im Jahre 1007 dem näher gelegenen Bistum Bamberg zuordnete. Von dieser Zeit an mag unserer Gegend auch mehr Bedeutung zuerkannt worden sein – auch ist die Bebauung forciert worden. Gefrees gelangte auf diese Weise schließlich im 12. Jahrhundert in den Besitz einer Kapelle.

Um eine eigene Pfarrei zu gründen, werden wohl die Mittel gefehlt haben. Diese „Gemeinde“ wurde dem Bistum Bamberg und damit der Obsorge der Pfarrei Schorgast zugeteilt. Die Ansprüche der Pfarrei Schorgast auf die hiesige Filialkirche wurde dann strittig gemacht, denn aus einem „Instrumentum notariale“ zu München geht hervor, dass der Pfarrer zu Münchberg, Heinricus Töpher, sich die pfarramtlichen Rechte der Kapelle zu Gefrees schon lange angeeignet hatte, was allerdings von Bamberg nicht zugestanden wurde. Die Schlichtung des Streites sah dann folgendermaßen aus: „Es wird für Recht erkannt, dass die Kapelle zum Gefrezz mit den Einwohnern daselbst und den Einwohnern der Weiler Newengereut, Wuntenbach und Zedlitz zur Prochialkirche Marktschorgast gehöre und von dem Pleban zu Münchberg dahin resturirt werden müsse.“ Der Münchberger Pfarrer Töpher erschien bei der Versammlung nicht, vielleicht ahnte er schon den ungünstigen Ausgang.

Marktschorgast hatte damals einen großen Wirkungskreis, denn neben Gefrees und Streitau standen auch Benk und Berneck unter der Aufsicht des dortigen Pfarrers. Spätere Beschwerdebriefe künden aber davon, dass Gefrees von diesem Pfarrer in Marktschorgast sehr vernachlässigt wurde, obwohl er von Bischof Heinrich III. eindringlich ermahnt worden war. Alles Drängen der Gefreeser nach einem eigenen Pfarrer blieb ungehört und nicht selten mussten sie sechs bis acht Wochen das Wort Gottes entbehren. Fremde Priester, die des Weges zogen und den Bekümmerten geistige Nahrung und Trost spendeten, wurden daher mit Freuden aufgenommen. Nachdem der wiederholten Bitte um Seelsorge nicht abgeholfen wurde, bemühten sich fromme edle Religionsfreunde um Anordnung zweier Frühmessen durch namhafte Schenkungen. Durch verschiedene Stiftungen wurde dann neben der Frühmesse auch noch eine „Mittelmesse“ gelesen. Der Kaplan von Marktschorgast war „schuldig“, alle Sonntage und Festtage sowie jeden Mittwoch und Freitag Gottesdienste hier zu halten. Den Weg, den er von Marktschorgast nach Gefrees nahm, nannte man den „Pfaffensteig“ oder „Pfaffenberg“.

Wie Ellrodt bemerkte, soll das Gotteshaus oder die Kirchenkasse nicht unbemittelt gewesen sein. Manch Edler der Umgebung hat später von dieser Pfarrei sogar Geld „aufgeborgt“ und dafür seine Anwesen verpfändet. Vor allem die Hirschberger taten sich hier hervor.

Die Reformation der Gemeinde Gefrees und ihre Trennung von der katholischen Mutterkirche Marktschorgast. Da das Fürstentum Bayreuth nahe am Vogtland lag, wurde die schnelle Verbreitung der protestantischen Religion gefördert. Außerdem erzählt der Geschichtsschreiber: „Auch die höchste Unzufriedenheit mit der Unsittlichkeit und den groben verbrecherischen Ausschweifungen öffneten derselben den Eingang umso williger, als das Volk schon durch aufgeklärte Männer vorbereitet und empfänglich dafür war. Schon im Jahre 1489 eiferte Theodor Morunger, Pfarrer zu Hof, gegen die römisch-katholische Religion, so dass er selbst nach Nürnberg reiste, um dem Legaten Raymundo Payrand, der vom Papst Innocenz VIII. beauftragt war, aus der ergiebigen Fundgrube Deutschland durch Verkündigung des Jubeljahres und Verkauf des Sünden-Ablasses Geld nach Rom zu bringen, persönlich entgegenzuarbeiten. Auch in unserer Nähe trieben die Ablass-Händler des Gesandten Payrand ihr unsinniges Wesen.

In Münchberg predigte Johann Gromann zu Ende des Jubeljahres 1489: „Die Türe zum Himmel steht offen, eilt, kaufet Ablass der Sünden, selig und heilig ist der ärgste Wicht wenn er bezahlt hat.“ Den besagten Pfarrer Morunger traf der Bannstrahl des Payrand, denn er musste seine Vermessenheit mit einer neunjährigen Gefangenschaft büßen.

So fand die evangelische Lehre allgemein freudigen Eingang und auch die grausamste Strenge der Bischöfe, namentlich eines Neidhard von Thüngen (Bischof von Bamberg), vermochte es nicht, diesen Einzug abzuwenden. Der erste evangelische Prediger in Gefrees war der Frühmesser Johann Gangloff. Nach der Reformation bestand die Pfarrgemeinde Gefrees, laut einer Beschreibung des Pfarrer Hofmann von 1580, aus dem Markte und 12 Dörfern, vier einzelnen Höfen und einer Einöde, 245 Herdstätten, sieben Mühlen und 899 Personen, welche das Heilige Abendmahl empfingen. Dass von der evangelischen Kirchengemeinde Böseneck fünf Häuser und ebensoviele Familien bei der kath. Kirche Schorgast blieben, kam daher, als sie Untertanen des Himmelkroner Nonnenklosters waren und das Territorium jenseits der Ölschnitz von Bamberg ohne Grund in Anspruch genommen wurde, indem das Schleifenbächlein die Grenze zwischen dem Bambergischen und dem Bayreuthischen darstellte. Mit Gefrees hat zur gleichen Zeit auch Streitau den kirchlichen Verband mit Marktschorgast aufgelöst. Danach wurde Streitau zu Gefrees gepfarrt und war dieser Kirche so lange untergeben, bis es 1577, am 10. November, ein eigenes Pfarrrecht erhalten hat. Als Grund der Trennung von Gefrees wird angegeben, dass der damalige Pfarrer Hofmann, der Aufforderung des Herrn von Wildenstein auf Schlopp, seinem Mündel Junker von Wallenrod, der, an der Pest erkrankt, in Streitau im Sterben lag, nicht nachgekommen sei das hl. Abendmahl zu reichen, so dass derselbe ohne dieses erhalten zu haben gestorben sei.

Der besagte Vormund hat daraufhin beantragt, dass daselbst ein eigener Pfarrer berufen werden solle, zu dessen Sustation die Mittel aus dem Rittergut Streitau offeriert wurden. Dafür behielt man sich aber das Patronatsrecht vor, welches die Herren von Wallenrod auch bis 1728 ausübten. Laut Kaufbrief vom 14. Februar 1728 hat nämlich Markgraf Georg Friedrich Carl den Brüdern August Moritz und Georg Heinrich Sigmund von Wallenrod deren Rittergüter zu Streitau (die „alte und neue Kemmath“ genannt) abgekauft und eine hochfürstliche Rentverwaltung angeordnet sowie auch die Geistlichen selbst ernannt und berufen. Das zur „neuen Kemmath“ gehörende Schloss wurde 1745 als Wohnung des Pfarrers eingerichtet, während das zur „alten Kemmath“ gehörende Schloss als Amtshaus diente. Ein Schloss außerhalb Streitau (der „neue Bau“) – Kaufpreis 1300 Gulden – wurde im Jahre 1750 abgetragen und die Amtsrechnung damit hergestellt. Ab dem 14. Mai 1831 überließ man das Amtshaus der Gemeinde als Schule.

Auch das später nach Streitau und vorher nach Schorgast gepfarrte Dorf Falls war nach dem Bericht des Pfarrer Hofmann „nach der Reformation an die hiesige Kirche gebunden und die hl. Sakramente auch in dieser geholt.“ 25 Personen dieses Ortes haben in der hiesigen Kirche kommuniziert.

Derselbe Pfarrer klagt in seinem Bericht über die Weitläufigkeit und Beschwerlichkeit seiner Pfarr. Wörtlich schrieb er: „und bitten hierauf der verordnete Pfarher deß ortes, weil In die Pfar weitleuftig und groß, darzu auch sehr beschwerlichen ist, man wolle gnediglichen verordnungen thun, damit Ime möchte ein Diaconus mit der Zeit zugeordnet werden, weil es ihn deß orts auch gute gelegenheit hat, damit ein Diaconus leichtlichen unterhalten werden khente. wie den gleichfalls uff der gehaltenen Visitation desgleichen vor zweyen Jahren von einem Erbaren rathe allhie auch von den hern Visitatoren ist gebeten und begehrt worden.“ Gleichzeitig beschwerte sich der Pfarrer über seine Wohnung: dass er nicht einmal ein Stutorium (Studierstübchen) habe. In einem Schreiben über die ärmliche Beschaffenheit des Pfarrhauses tat er dies dann auch kund.

Verzeichnis der Geistlichen bis zur Zeit Ellrodts an der hiesigen Kirche St. Johannis Baptista: 1498 Jakob Gutt (der letzte Frühmesser vor der Reformation). 1530 Hans Gangloff (Frühmesser und Pfarrverweser, war der erste evangelische Geistliche hier). 1546 Nicol Sella. 1550 Wolfgang Wolf. 1552 Nicol Conrad. 1574 Johann Hofmann aus Gefrees. Über sich selbst schrieb der Geistliche: „In seiner Jugend hat er seine stutia erstlichen angefangen zu Wunsiedel bey dem Johanni Mathesio und Gerogio Strobelio. Von dannen ist er gen Hoff gethun worden und diß orts 5 Jahr lang gewesen bey dem praeceptoribus Johannes Streitberger, Cotemanno, Schlemmero und andern. Darnach ferner gen Schlakenwald kommen und diß orts zwey Jahr lang gewesen. Von dann bin ich mit einem Burggrafen von Schlakenwald, Heinrico Nickarto, gen Wittenberg kommen und eine Zeit lang famuliert.“ Zwei Jahre war er zu Erbendorf in der Pfalz Schuldiener und Cantor. Später begab er sich in den Ehestand und kam 1566 als Pfarrer nach Eckersdorf. Unter ihm wurde 1594 die Gottesackerkirche gebaut. 1596 M. Matthäus Gemlich aus Hof. 1614 M. Linhard Kaufmann. 1622 M. Zacharias Seidel, Sohn eines Hofer Bürgermeisters. 1627 M. Johann Witmann, ein Vertriebener von Amberg. 1633 M. Joh. Georg Vogler aus Pegnitz. 1635 Johann Georg Wagner aus Zeilera. 1638 M. Christian Faber (Schmidt). Sohn des hiesigen Vogtes Kilian Schmidt. 14 Tage nach seiner Hochzeit rührte diesen auf der Kanzel der Schlag und er starb am 5. Juni 1638 bei seinem Bruder, dem Kastner Georg Schmidt zu Gefrees. Im Taufregister steht über ihn: „Ist getauft den 21. Aug. Sein Tauftodt Ist der durchlauchtige Hochgeborne Furst und Herrn, Herr Christianus, Margraf zu Brandenburg so eben dazumahls sein hoflager allhier zum Gefrees gehabt und auf der hirschfrist gewesen.“ 1638 Johann Reinel aus Selb. 1655 M. Jacob Ellrod aus Kulmbach. 1671 M. Phil. Andreas Ellrodt, geb. zu Wunsiedel, war der Sohn des vorstehenden Pfarrers. 1716 Johann Valentin Lieb. 1727 Wilhelm Ludwig Neumann. 1750 Christoph Samuel Carner aus Wunsiedel. 1763 M. Carl Friedrich Kurzdörfer. 1775 Christian Albr. Christoph Sonntag. 1786 Johann Michael Füssel.

1826 trat dann der Mann als Pfarrer und Kaptielssenior in den Dienst der Gefreeser Kirche, dem wir diesen historischen Nachlass zu verdanken haben – Anton Christian David Ellrodt. Er wurde am 29. Dezember 1776 in Wunsiedel geboren. Sein Vater war der dortige Pfarrer Andreas David Ellrodt und sein Großvater der Superintendant in Wunsiede, M. Johann David Ellrodt. Er besuchte von 1792 – 1797 das Gymnasium in Bayreuth und studierte von 1797 bis 1799 in Erlangen. Am 24. November 1807 erhielt er die Vocation als Diakon nach Berg nd war königlich-sächsischer Pfarrer in Sparnberg. Am 8. Dezember 1814 wurde er als Pfarrer nach Goldkronach berufen, wo ihm am 28. September 1824 die Dekanatsverweserstelle und am 25. März 1825 die Distriks-Schulen-Inspektion übertragen wurde, die er bis September 1828 innehatte. Im Jahre 1826 am 4. Januar wurde ihm die Pfarrei Gefrees übertragen, die er bis zum 14. April 1831 verwaltete, als er plötzlich an einem Nervenschlag starb. Am 17. des gleichen Monats, nachmittags um 14 Uhr, fand seine feierliche Beerdigung statt. Worte der Ermahnung und des Trostes sprachen an seinem Grabe der Dekan Jahreiß aus Berneck und Pfarrer Sauber aus Streitau, der dann auch bis zum 31. Oktober als hiesiger Pfarrverweser fungierte. Zugegen waren auch Sutiosus Lenz (Gefrees) und Dr. Friedrich Layritz (Pfarrvikar in Pommersfelden).

Die evangelische Ganztagsrealschule in Gefrees trägt den Namen von Jacob Ellrod – eines Vorfahren unseres Anton Christian David Ellrodt. Jacob Ellrod (er schrieb sich selbst am Ende nur mit „d“) wurde am 7. November 1601 in Kulmbach geboren. Sein Vater hieß ebenfalls Jacob und war Schneider. Am 17. Dez. 1654 erhielt Ellrod als Pfarrer unverhofft die Vocation nach Gefrees – hielt am Thomastag (21. Dezember) seine erste Predigt und bezog am 7. März 1655 die Pfarre. Er war Nachfolger des Johannes Reinel der im 30jährigen Krieg vieles ausgestanden hatte, ausgeplündert wurde und nach Stein geflüchtet war. Bis zu seinem Tode blieb Ellrod Pfarrer in Gefrees. Das war der 28. Juli 1671. Schon einige Zeit vorher war infolge seiner Erkrankung sein Sohn Philipp als Adiunctus verpflichtet worden. Ellrods Grab ist nicht mehr vorhanden, auch ein Grabstein existiert nicht.

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