Kriege und unglückliche Vorfälle:

Nachdem Ellrodt in seinem Werk über verschiedene Schenkungen und Stiftungen berichtet, auf die wir nicht näher eingehen wollen, befasste er sich auch mit unglücklichen Vorfällen (besonders in den jeweiligen Kriegswirren). So schreibt er: „Da die Hauptstraße nach Böhmen und Sachsen mitten durch Gefrees geht, hat dieser Ort bei jedem Krieg, mit welchem er in Berührung kam, begreiflicherweise mehr als die weiter abliegenden Ortschaften gelitten. Ihm ward daher seit seiner Existenz gar oft das traurige Los der Plünderung und Verheerung zuteil.“

Man würde darüber eine nicht unbedeutende Kriegsgeschichte liefern können: Die unmenschlichsten und verderblichsten Kriege waren gewiss die Hussiten- und der Dreißigjährige Krieg, auf deren Grausamkeiten die Nachwelt ewig mit Entsetzen und Abscheu zurückblicken wird. Ellrodt ahnte dabei freilich nicht, dass es später noch abscheulichere Kriege geben sollte, bei denen die Einwohnerschaft nicht weniger gelitten haben mag. Als der Burggraf und spätere Kurfürst von Brandenburg, Friedrich I., die Feldherrnrolle gegen die Hussiten auf dem Reichstag zu Nürnberg 1422 übernommen hatte, entflammten diese in wütendster Rachgier gegen ihn, was seine unglücklichen Untertanen in reichem Maße büßen mussten. Noch ehe diese gereizten Feinde eintrafen, erfüllten Schrecken und Entsetzen die Betroffenen. Häuser und Güter wurden verlassen und den Einfallenden preisgegeben. Die erste Horde, die unter dem Feld-Obristen Procopius Rasus am 25. Januar 1430 von Plauen aus in Hof und Franken eindrang, ließ Spuren des Mordens und Blutvergießens hinter sich. Auch unsere Gegend und unseren Ort traf dieses Unglück.

In wenigen Tagen lagen die Orte „Gattendorf, Kotzau, Weisdorf, Conradsreuth, G r ü n s t e i n , G e f r e e s , Schauenstein, Helmbrechts, Mönchberg, Berneck, Weißenstadt“ in Schutt und Asche und die bedauernswürdigen Einwohner wurden zerstreut oder erschlagen, in die Sklaverei fortgeschleppt oder starben durch Kummer und Elend. Bei Melkendorf lagerte der Feind, von wo aus er auch seine verwüstenden Ausfälle in die Umgebung unternahm. Kulmbach wurde in Brand gesteckt und Bayreuth (nebst Schloss und Kirche) in Schutt und Asche gelegt. Besonders war die Wut des Feindes gegen Mönche und Nonnen gerichtet. Diese wurden entweder auf Eisen gelegt und mit kaltem Wasser begossen. bis zu Eis gefroren und elendiglich zu Tode gemartert, oder man warf sie ins Feuer und ließ sie langsam wie die Ochsen am Spieß braten. Jammer und Elend, welche damals über unsere hiesigen Bewohner hereinbrachen, sind nicht zu beschreiben. Widerstand war aussichtslos, da die Heeresmacht der Hussiten aus 50000 Mann Fußvolk und 40000 Reitern bestand. Das Unglück dieser feindlichen Überschwemmung wurde umso größer, als auch schon die Truppenzüge der vereinigten Niederländer, Mainzer usw. die sich in den Jahren 1421 bis 1427 gegen die Hussiten stellten, die hiesigen Freundesbrüder fast schlimmer als Feinde behandelten und Oberfranken ausraubten und ausplünderten, ehe sich der wirkliche Feind nur sehen ließ. Unser Land wäre vielleicht verschont geblieben, wären die Hussiten von diesen Bundesbrüdern nicht gleichsam herausgefordert worden, das Vergeltungsrecht an ihnen auszuüben. Erst als man die Ohnmacht fühlte, diesem verheerenden Strom keinen Widerstand leisten zu können, verstand man sich auf Abfindungsopfer. So zahlten zum Beispiel der Markgraf von Brandenburg 9000 Gulden und der Herzog von Bayern 8000 Gulden. daraus entstand schließlich die Hussitensteuer, wozu diejenigen Orte beitragen mussten, die nicht oder wenig gelitten hatten. Noch bluteten die tiefen Wunden, die dieser Hussitenkrieg unserem Oberland geschlagen hatte, noch waren Schutt und Asche nicht weggeräumt und die Tränen der Unglücklichen nicht getrocknet, als Markgraf Albrecht Achilles mit dem Herzog Ludwig von Bayern, den Bischöfen von Würzburg und Bamberg und dem König von Böhmen im Jahre 1461 in einen unglücklichen Krieg verwickelt wurde, der dieses Land so sehr verwüstete, dass zwischen Bayreuth und Nemmersdorf nicht mehr als die Hütte eines alten Mannes neben dem, von den Hussiten niedergerissenen Kloster St. Jobst zu sehen war. Dieser Krieg bewog den Wunsiedler Bürger Fritz Leubel, die Feste Fahrnbach bei Wunsiedel zur Hemmung des verheerenden Zuges der Bayern aus Patriotismus für sein Vaterland zu erbauen. Der Prager Friede am St. Bartholomäusabend 1463 setzte dieser Befehdung ihre Grenzen.

Auch das Jahr 1525, in welchem der Bauernkrieg durch die „Münzerische Rotte“ entbrannte, berührte unsere Gegend mit strafender Hand. Auch Grünstein und Wasserknoden haben an diesem Aufruhr teilgenommen und wurden deshalb abgebrannt und niedergerissen. Nicht lange genoss das Land den beglückenden Frieden, denn schon nach 23 Jahren erhob sich die unselige Geisel des Krieges bereits wieder über dieses Land. Albrecht Alcibiades kannte nicht die Pflichten des landesvaters, sondern fühlte sich nur in der Befriedigung seiner kriegerischen Leidenschaft glücklich. Den unschuldigen Untertanen wurden seine an den Nachbarstaaten verübten Grausamkeiten von diesen reichlich vergolten. Auch Gefrees und seine Umgebung wurde ein Opfer der feindlichen Rache, die eigentlich seinem Fürsten gelten sollte. Der Jacobitag 1553 war es, an welchem die hiesigen Einwohner auf den Schutthaufen ihrer Wohnungen blutige Tränen weinten. Die gegen Albrecht vereinigten Truppen, die zu Belagerung der Festung Plassenburg bei Ködnitz Quartier bezogen hatten, legten den Markt samt Kirche, Pfarr-, Schul- und Rathaus, aus Wut, den Ort verlassen vorgefunden zu haben, in Asche.

Noch lagen Gefrees sowie auch die anderen vaterländischen Städte, Dörfer und Flecken am Boden, als die kriegerische Sturmglocke das Land schon wieder erschütterte und in eine verzweiflungsvolle Lage brachte, die gar nicht zu beschreiben war. Der Dreißigjährige Krieg begann mit dem Jahre 1618. Und selbst der Freund verschonte den Freund nicht mit Plünderung und Verheerung. Folgende Abschrift eine Ratsprotokolls vom Jahre 1654 wird das Schicksal des Marktes im Dreißigjährigen Krieg noch mehr beleuchten: „Obwohl in diesen dreysigjährigen kriegswesen, unser Marckt zu verschiedlichen mahlen beedes von Keyserl. und Schwedischen völkern mit Feuer und Schwert zu verderben angedrohet worden, welchen denn geschehen Im Jahr Christi 1632 von General Marches de Grana, welcher nachdem Er die Residentz Stadt Beyreit eingenommen, die umliegenden Oerter beedes in brand gestecket, und theils gebrandschatzet: Unser Markt 500 Rthl. brandschatzung geben müssen, welche wir noch schuldig und jährlich die Interessen davon gaben. Ferner: darnach den 1. Decemb. in der Nacht zwischen 2 u. 3 uhr ist Ob. kegelwitz mit 200 Croaten eingefallen, und der ganze Marckt totaliter ausgeplündert und dermassen ruiniret, das ein jeglich noch lebender bürger, bei seinem lebszeiten nicht überwinden Kann. auch mit den leuten also über gehauset, das es nit genugsam zu beschreiben. Ao. 1633 den 18. January ist Ob. Marcus Corpes auch ins Land Kommen welche also bald in der Fouri des Michel Maders Mühle gestecket und weggebrannt, welche Er zwar mit grosen uncosten und schulden wieder erheben, hat Rantzion und Contribution von uns kommen 300 Rthlr. so wir auch noch schuldig baar geld. Nach diesen ist Herr Ob. Gordon welcher commandirt hat zu Eger, Kommen, hat ebenerer masse uber 200 Rthlr. bekommen. Ao. 1634 ist Ob. Reichloeitz mit 200 Croaten in Wunsiedel gelegen, welcher von unsern Marckt gleichergestalt in 200 Rthlr. bekommen, ihne alle Einquartierung, contribution und andern erlittenen schaden, welche nach der länge zu erzehlen nit möglich. wie auch hernachmals die Schwedischen völker. Ao. 1640 Hr. Ob. General Pauer 150 Rthlr. Rantzion (= freikaufen) geben, und und weiln die arme buergschaft nit mehr trauen können, sintemal ein jedlicher Soldat so nur alhero Kommen geld und anders haben wollen, ist der Markt in 14 Wochen ganz öde gestanden. Ao. 1641. Als Hr. General Pauer mit seiner Armee auff Regensburg gegangen, alles was nur alhier anzutreffen gewest mit weggenommen, also das niemand nach geschehenen aufbruch in Häußern bleiben Koennen. Dieweil wir aber gott lob noch Christlichen herzen gefunden, welche uns und unseren Marckt mit geld lehensweis beförderlichen gewesen, damit alle Zeit der Marckt von feuer erettet worden. Als danken wir den lieben Gott von herzen, das gleich wohl noch der meiste theil unseres Marcktes under den dach verblieben, unangesehen die wohnungen allenthalben durch unzehliche Einquartirung stark verwüstet oder verödiget worden: also das ein jedwed noch lebend hausleit die Zeit seines Lebens genugsam zu thun hat, damit solche widerumb in vorigen Stand gebracht werden mögen: Sonsten aber sind anjetzo an ganzen totaliter Zu Boden gegangene Häußer 23. Wie auch alle dero haußleut mit tod abgegangen meistentheils durch die feindseelign Einfälle hunger Schwert u. Schrecken bekommen.“

Im Jahre 1643, so schrieb der damalige Amtskastner Georg Schmidt, sind am 8. Juli 2000 Mann hier eingefallen, haben gefüttert und sind dann in alle Häuser eingebrochen, haben diese ausgeplündert und lediglich das Pfarrhaus verschont. Im Jahre 1640 sind am 12. März die Schweden eingefallen. Der damalige Pfarrer Reinel flüchtete nach Stein und blieb dort bis zum 14. September. An diesem Tag wurde dann wieder das erste Kind getauft. Sechs Kinder hatte er bereits in seinem Exil getauft. Die Ortschaft Kornbach muss mehrere Jahre ganz verlassen gewesen sein, denn im Jahre 1634 kommt im Kirchenbuch von Bischofsgrün (wohin Kornbach gepfarrt war) nur noch eine Kindstaufe vor, dann keine mehr bis zum Jahr 1652. Auch die benachbarte Gemeinde Wirsberg hat ungemein und besonders am 1. Februar 1633 gelitten, als 1000 Kroaten unter Führung des grausamen Corpes einbrachen und unter dem Tor den Cuntz Mündel ebenso wie den Vogt Hans Steeger erschossen. Nachdem sie den ort geplündert hatten, zündeten sie ihn an vielen Stellen an. außer dem Schloss, der Kirche und dem Pfarrhaus brannten noch 46 Häuser und 25 Stadel ab.

Im siebenjährigen Krieg, welcher sich auch über unsere Gegend verbreitete, wurden die hiesigen Einwohner wieder sehr geprüft, doch hinterließ dieser nicht solche Folgen, wie die vorhergehenden. Der französische Krieg von 1806 bis 1813 wurde zwar gegen die unschuldigen Bewohner bei weitem nicht so grausam wie die früheren Kriege geführt, trotzdem hatte die hiesige Gegend durch die furchtbaren Massen durchmarschierender Truppen Kriegslieferungen zu leisten, so dass viele vorher wohlhabenden Bürger zu Grunde gingen und Haus und Hof den Gläubigern überlassen mussten. Dem Markt Gefrees selbst, drohte auch in diesem Krieg die Gefahr größten Verderbens. Am 9. Juli 1809 lieferten sich die Österreicher, verstärkt durch die Truppen des Kurfürsten von Hessen, mit den Franzosen, unter der Führung des Marschalls Abrantes, zwischen Böseneck und Gefrees ein großes Vorpostengefecht (bekannt als die „Schlacht um Gefrees“). Wenn die Franzosen hier gesiegt und die Österreicher durch den Ort verfolgt hätten, hätte es für diesen sehr gefährlich werden können. Die Gefahr aber, von dem über Lübnitz herkommenden Braunschweiger Corps („die Schwarzen“ genannt) in die Flanke genommen und abgeschnitten zu werden, bewog die Franzosen zum schnellsten Rückzug. Sie wären ihrer Vernichtung wahrscheinlich trotzdem nicht entgangen, wenn nicht ein furchtbares Gewitter die Flucht begünstigt hätte. Mütter und Kinder kehrten nun freudig aus Kellern und Gewölben hervor und das in den Wald geflüchtete Vieh wurde in seine Stallungen zurückgebracht. Ein allgemeines frohes Dankgebet stieg aus dem Herzen aller Einwohner nach der glücklich vorübergegangenen, drohenden Gefahr zum Himmel empor. Noch lange wurden Kanonen und Flintenkugeln, die in ihre Häuser geschossen und später gefunden wurden, von Berneckern und Gefreesern als traurige Requisiten jener angstvollen Stunden aufbewahrt. Am sogenannten Bühl, der früher zur Kastenmühle gehörte, ruhen sechs oder acht Österreicher und Franzosen, die bei diesem Gefecht gefallen sind. Eine Gedenktafel weist darauf hin. An der Straße liegt ein Österreicher begraben.

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