Krippenweg in Marktredwitz

Krippenweg in Marktredwitz im Fichtelgebirge

Sie nehmen die Fläche eines ganzen Zimmers ein, sie beinhalten Hunderte von kunstvoll gestalteten Figuren, sie zeigen ganze Landschaften mit Bergen, Wäldern und Flüssen: die Rede ist von den Marktredwitzer Landschaftskrippen, einer ganz besonderen Art der Weihnachtskrippe, wie sie nur in Marktredwitz und in der näheren Umgebung vorkommt.

In der Blütezeit der Marktredwitzer Landschaftskrippe, etwa um 1900, wurden bis zu 100 Krippen aufgestellt. Die eigene Weihnachtskrippe war der Stolz des Bürgers.

Selbstverständlich gehörten auch Krippenhäuser dazu, die selbst gebaut oder auf Bestellung von „Krippenhäuserbauern" hergestellt wurden. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen verschiedene Töpfermeister im Markte Redwitz Krippenfiguren aus Ton zu modellieren und die gebrannten Exemplare bunt zu bemalen. Diese Entwicklung verstärkte sich, als die schnell expandierende Porzellanindustrie für die Töpfer eine übermächtige Konkurrenz in der Herstellung von Geschirr wurde.

Einige Töpferfamilien verlegten sich ausschließlich auf die Herstellung von Krippenfiguren und erreichten dabei große kunsthandwerkliche Fähigkeiten. Bei der Produktion der Figuren gingen sie auf spezielle Wünsche ihrer Auftraggeber ein und stellten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens oder Marktredwitzer Originale her.

Die Marktredwitzer Krippenfreunde bauten diese Figuren und Häuser in Landschaften ein, meist in alpenländische. Sie bauten damit vermutlich ihre Wünsche und Illusionen in die Weihnachtskrippe ein. Wer von den Krippenliebhabern konnte sich schon die „Sommerfrische in den Alpen" leisten?

Zu Weihnachten gönnte man sich die Krippe als Ersatz für manch anderen Wunsch.

Natürlich hat in der Marktredwitzer Landschaftskrippe auch die eigentliche und wesentliche Krippenszene ihren Platz:

Krippe Bauernhof: Bethlehem mit Hirten und Herden, den Königen und ihren Gaben und der Heiligen Familie mit der Krippe im Stall.

Diese Szene ist eingebaut in das Alltagsleben der Menschen, bei der Arbeit und beim Feiern, bei Freud und Leid. „Immer und überall ist Christus mitten unter uns...", dieser Satz verdeutlicht wohl am besten den Geist und das Verständnis der Marktredwitzer Landschaftskrippen.

Nach dem 2. Weltkrieg ist die Krippentradition leider etwas in Vergessenheit geraten. Der Zeitgeist forderte seinen Tribut. In den vergangenen Jahren haben aber zahlreiche Marktredwitzer Familien diesen schönen Brauch wiederentdeckt und neu damit begonnen, in der Weihnachtszeit in ihren Wohnungen eine Marktredwitzer Landschaftskrippe aufzustellen und damit sich und anderen eine Freude zu machen.

Zum Krippenaufstellen gehörte auch schon immer das „Krippenschauen", d. h. Nachbarn, Freunde und Bekannte kamen ins Haus, um die Krippe zu bewundern.

Auf der Tradition des Krippenschauens beruht der Marktredwitzer Krippenweg, der seit 1989 Besucher aus nah und fern einlädt, die Krippen in den Häusern der Krippenfreunde zu besichtigen.

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