Lebensfreude und Wirtschaftskrise - das Art Déco


Bereits 1901 gründen führende französische Künstler die „Societé des Artistes Décorateurs“. 

Die Umsetzung des dort begründeten Gedankengutes wird 1925 in einer in Paris unter dem Namen „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ durchgeführten Ausstellung präsentiert. In der Folgezeit erhält der ab diesem Zeitpunkt vorherrschende Stil den Titel „Art déco“.

Verschiedene Anregungen der Moderne führen in den 1920er Jahren zur Ausprägung neuer Formen und Dekore. Zum Zentrum der Bewegung entwickelt sich binnen kürzester Zeit Paris. Es sind Modeschöpfer wie Paul Poiret, die stilbildend werden. In Sèvres entstehen unter dem Interior-Designer Jacques-Emil Ruhlmann oder Félix Aubert neue Vasenformen mit stilisierten, flächigen Dekorationen.

Charakteristisch für Service und Zierartikel sind stilisierte und flächige Darstellungen von floralen und organischen Motiven. Hinzu kommen leuchtende Farben, getreppte und mitunter übersteigerte bis affektierte Formen. In Limoges entstehen Dejeuners in stilisierten Tierformen, in Ungarn finden umrissartig stilisierte, landestypische Szenen auf traditionellen Gefäßformen Anwendung. Während die Farbgebung des Art déco-Porzellans von der Künstlergruppe der Fauves inspiriert ist, nähert sich die figurative Plastik den eckigen, kantigen Formen des Kubismus.

Herausragend wird die KPM Berlin mit den vom Expressionismus beeinflußten Plastiken von Ludwig Gies oder Gerhard Schliepstein. Die Manufaktur Meißen überzeugt mit kräftig bunt akzentuierten bzw. weißen, glasierten Plastiken von Paul Scheurich, Paul Börner oder Max Esser. Hutschenreuther und Rosenthal setzen vielfach weiß-gold Kontraste im Bereich der figurativen Plastik ein.

In Ungarn und Italien werden dynamische Figuren effektvoll mit irisierendem Lüster-Vollfond in Szene gesetzt. Für deutsche und französische Porzellanfabriken bilden Tanz und Varieté, aber auch Pierrots und Frauen in aktueller Mode eine schier unerschöpfliche thematische Quelle. Die 1925 in Lomonossow umbenannte Kaiserliche Manufaktur St. Petersburg fertigt in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Kasimir Malewitsch oder Nikolai Suetin Porzellan, das den Einfluß des Suprematismus und Kubismus zeigt.

Den sogenannten Agitationsporzellanen, Arbeiter- und Funktionärsdarstellungen und Tellern mit politischen Parolen, werden Bauern, Soldaten und Matrosen zum Beispiel durch Natalia Danko zur Seite gestellt.

Portugiesische Künstler gestalten im Art déco Fliesen mit stark farbigen, geometrisch-flächigen Ornamenten in Endlosrapporten.

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