Von Japan inspiriert - das Art Nouveau


Mit der politischen Öffnung Japans nach 1860 ging auch die Verbreitung der japanischen Kultur in Europa einher.

Insbesondere 1862 bei der Internationalen Ausstellung in London beeindruckt die Darstellung der Natur in der alten japanischen Kunst. Es sind vor allem die Holzschnitte Hokusais, die einem neuen Stil den Weg bahnen. Hinzu kommt aus England, ausgehend von William Morris und John Ruskin, der Einfluß des „Arts and crafts Movements“, einer Antibewegung gegen die bis dato gängige Praxis der Nachahmung historisch überlieferter Vorbilder. Der neue Stil, der alle Lebensbereiche umfassen sollte, lässt in ganz Europa Künstlervereinigungen, u.a. in Darmstadt, Wien, Dresden, München und Brüssel entstehen.

In Frankreich erhält die neue Kunstgattung ihren Namen durch die 1871 durch Siegfried Bing in Paris gegründete Galerie „Art nouveau“. In Deutschland wird die seit 1896 herausgegebene Zeitschrift „Die Jugend“ Namensgeber.

Das Porzellan charakterisiert nun die Einheit von Form und Dekor und die Belebung der Form durch vegetabile, traumhaft bewegte Linie. Der „Japonismus“, der zuerst in Frankreich aufgenommen wird, bildet den Ausgangspunkt der neuen Bewegung. Félix Bracquemond entwirft für Haviland in Limoges das dem Impressionismus verhaftete „Service Rousseau“.

Im Bereich der Gefäßgestaltung dominieren nun große, freie Flächen, die bei der KPM Berlin Hermann Seger hervorragend zur Umsetzung seiner Ochsenblut-, Lauf- und Kristallglasuren dienen.

Neue Vasenformen entstehen insbesondere in der Manufaktur von Sèvres. Dort greift man unterschiedlichste Glasuren auf, dekoriert aufwendig mit pâte-sur-pâte-Malerei. 1902 entwirft Léonard Agathon mit dem „Schärpenspiel“ für Sèvres eine Momentaufnahme des Ausdruckstanzes in Biskuitporzellan. Stilbildend wird ab 1885 die Kgl. Porzellanmanufaktur Kopenhagen unter Arnold Krog. Man entwickelt pastellfarbene Unterglasurmalereien, geflammte Farb- und Kristallglasuren und figurative Plastiken.

Die Motive werden der europäischen Fauna und Flora entlehnt, aber im Sinne der japanischen Kunsttheorie interpretiert. Das gleiche Credo vertritt Bing & Gröndahl, Kopenhagen. In Lidköping, Schweden, entstehen unter Alf Wallander ab 1895 Zierartikel mit schwarzen Laufglasuren, die diffuse, florale Dekorationen umrahmen. Vielfach geht die Dekoration auch vom Malerischen ins Plastische über.

Basierend auf einer stark frittenhaltigen Masse, werden in Rozenburg, Niederlande, zwischen 1899 und 1913   einzigartige, hauchdünne Zierartikel in freien, vegetabilen Formen produziert. Sie kommen als Eierschalenporzellan auf den Markt.

Nach der Weltausstellung von 1900 greifen alle Manufakturen, wie Meißen mit van de Velde oder Nymphenburg mit Wackerle, den neuen, etablierten Stil auf. Die Wiener Sezession setzt mit Josef Hoffmann für die Manufaktur Augarten, Koloman Moser und Jutta Sika einen stilisierten Akzent zu den freien Formen des Jugendstils. Gleiches gilt für die von Peter Behrens für Bauscher und von der Darmstädter Künstlerkolonie für Rosenthal geschaffenen Service.

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