Form follows function? - Vom Bauhaus zum Design


Bereits mit dem Ersten Weltkrieg werden Stimmen laut nach neuen zeitgemäßen und „funktionalen“ Formen.

1917 gestaltet Wilhelm Kage für Gustavsberg in Schweden ein „Service für Arbeiter“. Man bezieht sich auf den Leitspruch des amerikanischen Architekten Louis Sullivan „form follows function“. Das 1919 in Deutschland gegründete „Bauhaus“ und mit ihm Walter Gropius wird schließlich zur Keimzelle des Funktionalismus.

Ehemalige Bauhaus-Mitarbeiter wie Marguerite Friedländer (Hallesche Form), Trude Petri (Urbino), Hermann Gretsch (1382) und Wolfgang von Wersin entwerfen ab 1929 für die KPM Berlin, Nymphenburg und die Porzellanfabrik Arzberg Service im Stile der „Neuen Sachlichkeit“. Diese Art der Produktgestaltung ist aber durchaus keine rein deutsche Angelegenheit. Sie findet in ganz Europa und den USA als „Internationaler Stil“ Niederschlag.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind es 1957 mit der Gründung des „International Council of Societies of Industrial Design“ die Vereinigten Staaten, die die Führung im Produktdesign übernehmen. Richard Latham und Raymond Loewy entwerfen die „Form 2000“ für die Rosenthal Studio Linie. Zwei Jahre später gründen deutsche Jungdesigner, unter anderem Hans Theo Bauman, den „VDID“ (Verband deutscher Industriedesigner).

In den 1960er und 1970er Jahren dominiert das Skandinavische Design mit aus Zylinder oder Kugel entwickelten Formen. In Finnland sind es Kaj Frankh, Tappio Wirkkala und Timo Sarpaneva, in Schweden Stig Lindberg, in Frankreich Paul Robert und Roger Tallon und in Deutschland Luigi Colani die neue, der Natur entlehnte Gestaltungsprinzipien, Dekore und Farben in die Porzellangestaltung einfließen lassen. Ihnen folgen in der Gegenwart Designer wie der Engländer Jasper Morrison nach.

Daneben können sich aber immer noch die dem Bauhaus verpflichteten Designer wie Wilhelm Wagenfeld oder Heinrich Löffelhardt behaupten. Eine Hinwendung zum Architektonischen erfährt das Design in den 1980er Jahren mit Marcello Morandini und Ambrogio Pozzi. Die Gruppe Memphis um ihren Begründer Ettore Sottsass kreiert eine futuristisch-verspielte Gestaltungsform. Philippe Starck und seine Porzellan-Kreationen für Alessi finden hier ihre Wurzeln. Zum Ende der 1980er entstehen erstmals Dekore und Formen durch Modeschöpfer, wie Karl Lagerfeld, Pierre Cardin oder Paloma Picasso.

In Frankreich sind es Ende der 1990er Jahre Christian Tortu, Andrée Putman, Jean-Charles de Castelbajac, die diese Tradition in Limoges fortsetzen. In Europa entstehen „home collections“ von Versace, Armani, Hermès, Joop und vielen anderen. Hinzu kommen an der Wende zum neuen Jahrtausend Kreationen im Materialmix, also in der Kombination von Porzellan mit Metall, Glas und Holz.

Die Gegenwart kennzeichnet die Stilvielfalt und die Erkenntnis, dass gutes Design ein unverzichtbares Qualitätsmerkmal darstellt.

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