Das Biedermeier - eine deutsche Angelegenheit


Nach dem Ende der großen, durch die Regentschaft Napoleons heraufbeschworenen Kriege und Schlachten und der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongreß 1815, beginnt ein Umbruch der Gesellschaft.

Das Bürgertum gewinnt durch die Industrialisierung an Einfluss und erschafft sich eine eigenständige Kultur. Neben der Propagierung der Häuslichkeit und Bescheidenheit strebt man gleichzeitig nach Bildung, interessiert sich für Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Durch neue Formgebungs- und Dekorationsverfahren wird Porzellan für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich. Die Nachfrage nach umfangreichen Servicen nimmt ab, die nach einzelnen Zier- und Gebrauchsgeräten zu. Es entsteht eine neue Wohnkultur, zu der die Vitrine gehört. In ihr werden Erinnerungs- und Andenkentassen, die sich formal an der klassizistischen Walzenform bzw. am Empire orientieren, aufbewahrt und präsentiert.

Neben den Manufakturen, die mit dem Aufkommen bürgerlicher Manufakturen insbesondere in Thüringen und Böhmen ums Überleben kämpfen, gewinnen die Hausmaler wie Anton Kothgasser an Bedeutung. Sie dekorieren die in den Fabriken erzeugten Weißporzellane.

Als Motive finden sich Landschaftsdarstellungen, Kopien von Gemälden, Sinnsprüche, Stadtansichten oder Porträts bevorzugt auf Tassen und Vasen. Insbesondere die Porzellane der böhmischen Fabriken in Elbogen, Schlaggenwald, Klösterle und Pirkenhammer finden europaweit große Anerkennung.

Unter den Manufakturen ist es die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin, die 1829 mit der Erfindung des Lithophanie-Porzellans mit durchscheinenden Motiven für Lampenglocken, Lichtschirme und Fensterbilder Aufsehen erregt.

Großer Wertschätzung erfreuen sich auch die Biskuitminiaturen nach Marmorarbeiten des in Rom lebenden Bildhauers Bertel Thorvaldsen. Sie werden ab 1821 an der Königlichen Porzellanmanufaktur Kopenhagen produziert und finden beim wohlhabenden Bildungsbürgertum großen Absatz.

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