Die Begründer eines europäischen Porzellanstils


Formen und Dekore des ersten europäischen Porzellans orientieren sich anfangs sehr an ostasiatischen Vorbildern. Durch den sächsischen Hofsilberschmied Johann Jacob Irminger bereichern bald auch barocke Gefäßformen und plastische Zierelemente die früheste Schaffensphase. Zu Lebzeiten Böttgers (gest. 1719) kommen zudem Dekorationen mit Lack- und Emaillefarben, Goldmalereien und einbrennbare Überglasurfarben in Anlehnung an ostasiatische Vorbilder zur Anwendung.

Erst mit dem Maler Johann Gregor Höroldt, bis 1719 an der Wiener Manufaktur tätig, beginnt 1720 die bis 1735 anhaltende sogenannte "malerische Periode" der Meißner Manufaktur. Er entwickelt Schmelzfarben, die detailgenaue, feinste Malerei erlauben. Neben den nach Höroldt benannten Chinoiserien finden sich ab jetzt Kauffahrteiszenen, Hafen- und Watteauszenen, indianische Blumen-, Früchte- und Landschaftsmalereien.

1731 tritt der Hofbildhauer Johann Joachim Kaendler in den Dienst der Manufaktur, zu deren Modellmeister er 1733 ernannt wird. Bis dahin arbeitet er zusammen mit Johann Gottlieb Kirchner an der Gestaltung von Großplastiken. Mit Kaendler beginnt die bis 1763 anhaltende "plastische Periode" der Meißner Manufaktur. Die Gefäßkörper erfahren durch ihn die plastische Durchbildung mit Stilelementen von Barock und Rokoko.

Auch für die europäische Porzellanplastik, ursprünglich als Tafelzier gedacht, gilt Kaendler als Begründer. Dargestellt werden höfische Szenen, mythologische Themen, Allegorien, Akteure der „Commedia dell’ Arte“, Schäferidyllen, Handwerker, Straßenhändler, etc. Neben Meißen spielt Nymphenburg mit den von Bustelli geschaffenen heiteren Rokokofigurinen eine Rolle, in England die Manufaktur von Chelsea mit den „Chelsea-Toys“.

In Spanien werden in der Manufaktur Buonretiro und in Italien in Doccia zeitgleich hervorragende Einzelfiguren und Gruppenplastiken modelliert. Die führende Rolle Meißens in Europa kann in der Tat aber erst der Siebenjährige Krieg (1756-63) brechen. Die Manufaktur wird schwer beschädigt, durch Friedrich den Großen verpachtet. Viele erfahrene Mitarbeiter wandern ab.

Teilen: