Porzellan und Architektur - Bäder, Fliesen, Ornamente


Porzellan findet sich im häuslichen Bereich nicht nur als Tisch- und Tafelzier oder Dekorationsobjekt, vielmehr ist es seit dem 18. Jahrhundert Teil der Innenraumgestaltung. Man verziert Möbel mit Intarsientäfelchen aus Porzellan oder setzt es zur Ausgestaltung von Räumen im Bereich von Wandpaneelen und Fußböden ein. Spiegel, Lampen, Leuchter und Konsolen ergänzen die Ausstattung der „Porzellankabinette“ und „Porzellanhäuser“ in Schloß Capodimonte, Neapel (1757) oder Buenretiro, Madrid (1770).

Im 19. Jahrhundert sind es großformatige Bauelemente, wie mehrteilige Säulen für den Innenraum oder Friese und Applikationen für den Außenbereich, die insbesondere in Frankreich, Italien und im Saarland gefertigt werden. Für Innenräume finden Ausstattungsgegenstände wie Lampen, Sitzmöbel, Tische und Bänke Eingang in die Wohnwelt. Ob in Thüringen, Sachsen, England oder Frankreich, überall werden diese ehrgeizigen technischen Meisterleistungen hergestellt. Aufwendige Brunnen, stark plastisch verzierte Wasserausläufe und großformatige Becken an zentralen Plätzen sind Repräsentationsobjekte in Palais und bürgerlichen Villen. Insbesondere auf den Weltausstellungen erfreuen sich diese Objekte größter Beliebtheit, zeigen sie doch die hohe Kunst der Porzellanherstellung in Europa.

Auch der Traum vom fließenden Wasser in den eigenen vier Wänden kann im 19. Jahrhundert Wirklichkeit werden. Waschgeschirre, bestehend aus Kanne und Schüssel, Wasserbehälter mit Hahn, Spucknäpfe und Nachttöpfe werden nun abgelöst. Fest eingebaute Waschbecken und Spül-Klosetts bedeuten eine Revolution im Bereich der Hygiene. Sie bilden den Ausgangspunkt einer „Badekultur“. Insbesondere in England versteht man sich auf die Herstellung von Klosetts und Waschbecken in historisierenden Formen. Vertreter mit Musterkoffern, in denen sich Miniaturen befinden, bereisen Europa, Amerika und Russland.

Heute gehört die Ausgestaltung von Badezimmern mit Sanitärporzellan zu den herausragenden Bereichen des Designs. Es entstehen „Badelandschaften“, private „Wellness-Oasen“ mit Duschtasse, freistehender Badewanne und Waschbecken mit „selbstreinigender“ Oberfläche. Wellness-Oasen im Wohnbereich dienen der Inszenierung des eigenen Selbstverständnisses und zur Erholung von Körper und Geist.

Seit den 1970er Jahren setzen international renommierte Designer „das Bad“ in Szene: Luigi Colani, Claesson/Koivisto/Rune, Alessandro Mendini, Andrée Putman, Michael Graves, Iosa Ghini, Roberto Lazzeroni, Matteo Thun und Philippe Starck. 

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