St. Ägidien Kirche in Thiersheim

St. Ägidien Kirche in Thiersheim im Fichtelgebirge

Im Mittelpunkt der Gemeinde steht unsere St. Ägidien Kirche:

Geschichtliches:

Der Ort Thiersheim wurde 1182 in einer Urkunde Kaiser Friedrichs Barbarossa zum ersten Mal erwähnt. Seit wann Thiersheim eine Kirche oder Kapelle besaß, bleibt im Dunkeln - vielleicht schon im 10. Jahrhundert? Die gesamte Kirchenanlage zeigt auch heute noch, dass es sich ursprünglich um eine Wehrkirche handelte. Die ältesten Teile der Kirche wurden wahrscheinlich als spätromanische Anlage zum Nothaft'schen Burghaus gebaut.

Seit 1529 war Thiersheim durch den Beschluss des Landtags in den Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth evangelisch. Eine Bestandsaufnahme der Kirchenausstattung aus diesem Jahr zeigt, dass die St. Ägidien Kirche nicht prunkvoll war, aber verglichen mit umliegenden Orten recht ansehnlich. Schlimm erging es Thiersheim im 30-jährigen Krieg. 1632 brannte der halbe Ort einschließlich Kirche und Rathaus nieder. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Kirche wieder errichtet und "prächtig renoviert". Am 5. Juni 1823 schlug der Blitz in den Kirchturm und richtete erheblichen Schaden an. Ein heftiger Platzregen löschte zwar das Feuer, aber insgesamt war die Kirche so zerstört, dass das Landbauamt die Kirche abreißen wollte. Doch die Thiersheimer behaupteten sich und renovierten ab 1923 die Kirche mit Pfarrer Hoch.

Heute zählt die Kirchengemeinde fast 1.400 Mitglieder in Thiersheim, Wampen, Putzenmühle, Braunersgrün, Neuenreuth und Stemmas. Zum Gebäudeensemble der Kirche am Marktplatz gehören das älteste Haus Thiersheims, das Kantorat, das Pfarrhaus, der Gemeindesaal und der nördlich gelegene Kindergarten.
Die Baugeschichte der Kirche. Die Thiersheimer Kirche entstand seit romanischer Zeit durch wiederholte An– und Umbauten und wurde so ein baugeschichtlich einmaliges Denkmal. Der künstlerische Reiz beruht im Wesentlichen auf dem Zusammenspiel heterogener Bauelemente, zu denen zwei Türme und zwei Chöre gehören. Schon von weitem zu sehen ist der achteckige Helm in Zwiebelform, der seitlich verschoben auf dem sechseckigen Glockenturm sitzt.

Im 18. Jahrhundert wurden die steinernen Fensterkreuze ausgebrochen, um mehr Licht eindringen zu lassen. Emporen wurden in Kirchenschiff und Chorraum eingezogen, die in unterschiedlicher Höhe verliefen. Die Männerempore befand sich über dem Haupteingang, darüber wie ein Schwalbennest und nur mit einer Leiter zu erklimmen eine 18-sitzige Galerie für die Bauern aus Wampen. In der Kirche scheinen mehrere Altäre gestanden zu haben: der im Chor stehende "Hohe Altar" barg bis 1793 eine Reliquie ("drei Beinlein in seidenes Zeug eingewickelt").

Die Plätze auf den Bänken waren bis vor 100 Jahren durchgehend nummeriert mit schwankenden Mietpreisen zugunsten der Kirchenkasse. Rechts neben dem Haupteingang standen die Magistratsstühle und "um der Beamten willen" wurde 1858 an dieser Stelle eine verglaste Loge eingefügt. Der älteste Teil der Kirche ist die heutige Taufkapelle (links). Dieser Teil reicht mindestens ins späte 13. Jahrhundert zurück und war vermutlich Kapelle der Nothaft'schen Burganlage. Sie bot den Gläubigen bei Überfällen die letzte Zuflucht. Südlich daran wurde um 1400 der gotische Chor angebaut. Ob das Kirchenschiff ebenfalls Teil der Burganlage war, ist nicht geklärt. Säulen und Kreuzgewölbe wurden in jedem Fall erst nachträglich eingebaut. Die barocken Fresken der vier Evangelisten an den Säulen dürften um 1691 entstanden sein. Im Zeitalter des Barock wollten die Thiersheimer etwas von der Vielfalt und Farbe der Schöpfung in die Kirche bringen. In den folgenden Jahrzehnten wieder weiß überkalkt, wurden die Fresken 1962 wieder freigelegt. Bei der Renovierung 1999 wurden auf den Dachboden weitere Wandmalereien entdeckt.

Die Kanzel stammt aus der Zeit um 1638. Bis zur Renovierung von 1925 stiegen die Pfarrer vom Chorraum aus auf die Kanzel, seither aber von der anderen Seite. Die Bilder am Kanzelaufgang: Mose erhält die 10 Gebote, während unten das Volk um das goldene Kalb tanzt und Jakob träumt auf der Flucht vor seinem Bruder Esau von einer Leiter zum Himmel. Die Bildtafeln des Flügelaltars entstanden um 1649. Die Zentrale Bildtafel zeigt im Vordergrund Jesus mit seinen Jüngern beim letzten gemeinsamen Mahl. Im Hintergrund links oben lässt der Maler den Betrachter schon in den Garten Getsemane hinaus blicken, wo er sieht, wie Jesus vor seiner Gefangennahme betet.
Die Grabplatten aus Wunsiedler Marmor in den Bögen zwischen Taufkapelle und Kirchenschiff und zwischen Taufkapelle und Chor stammen ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert.

In der Emporenbrüstung sind drei Männer abgebildet, die das Christentum in Franken geprägt haben: Wulfila übersetzt die Bibel ins Gotische. Er gilt als der Apostel der Germanen. Diesem Mann verdanken die deutschen Stämme das Christentum.
Der heilige Ägidius, im lutherischen Talar(!), ist der Namenspatron. Er war Abt in St. Gilles in der Provence und starb 723. Im Mittelalter wurde er in Deutschland sehr verehrt, darum wurden ihm vor allem Burgkapellen geweiht. In der Mitte der Emporenbrüstung sehen wir Martin Luther: Er übersetzt die Bibel aus den Originalsprachen ins Deutsche. Jeder konnte somit die Bibel lesen. Was für unsere Zeit selbstverständlich ist, war damals eine Revolution. Ausgehend von seinem Vorstoß gegen den Ablasshandel suchte Martin Luther die mittelalterliche Kirche zu reformieren. So erinnert das vierte Bild an den Reichstag zu Worms 1921, wo Luther seine 95 Thesen zu Ablass bekräftigte. Daraufhin wurde er von Kaiser Karl V. mit der Reichsacht belegt und für vogelfrei erklärt. Die Spaltung der Kirche vollzog sich.

Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 erklärte, dass die Bürger den Glauben ihres Landesherren annehmen mussten. Georg, der Fromme, gehört zu den ersten evangelischen Landesfürsten. Er führte die Reformation in den fränkischen Fürstentümern durch. Die Religionsstreitigkeiten schienen geklärt, da brach der 30-jährige Krieg aus, in dem 1632 auch Thiersheim brannte. König Gustav von Schweden wollte die evangelische Sache für Deutschland retten. 1631 traf er in Magdeburg ein. Jeder dieser Männer wollte sich am Wort Gottes orientieren und Fragen der Zeit mit Blick auf Gott beantworten. Die Baugeschichte der St. Ägidien Kirche gibt Hoffnung: Menschen haben diese Kirche über Jahrhunderte mit ihren Glauben geprägt und belebt. Die Kirche verändert sich immer wieder, wie Martin Luther sagt, aber Gott erhält sie.

Mauerreste
des ehemals befestigten Friedhofs deuten auf frühere Kirchenburganlage hin.

Evang.-Luth. Kirchengemeinde Thiersheim
Marktplatz 6
95707 Thiersheim
Telefon Pfarramt: 09233/1692

Weitere Informationen über die Kirche finden Sie hier. 

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