Geschichte in Tröstau

Geschichte in Tröstau im Fichtelgebirge

Über den Beginn und anfänglichen Verlauf der Besiedlung unseres Gebietes gibt es keine schriftlichen Nachrichten. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die Innenfläche des Fichtelgebirges, wahrscheinlich schon im 8. Jahrhundert nach Chr. besiedelt war, wenn auch in geringer Dichte und mehr in Form von Einzelgehöften und kleinen Siedlungen.

Im Jahr 1061 übereigente der deutsche König und spätere Kaiser Heinrich IV seinem Ministerialen Otnant von Eschenau einen Landstrich am Südrand des Fichtelgebirges. Bei der Grenzbeschreibung sind der Schurbach, die Krumme Naab (jetzt Fichtelnaab) und die Trebnitz (jetzt Kösseinebach) genannt.

Das beweist, daß selbst dieses wenig siedlungsfreundliche Gebiet schon damals bevölkert war, denn die Bäche konnten die Namen je nur von dort wohnenden Menschen bekommen haben. Da im Gebiet der späteren Sechsämter erst seit 1135 Orte urkundlich genannt werden, hat nichts mit der Besiedlung zu tun, sondern ist hauptsächlich eine Frage der Quellenlage.

Die verschiedenen Mundarten im Fichtelgebirge beweisen, daß die Besiedlung nicht einheitlich aus einer Richtung erfolgt sein kann. So wird z.B. in Vordorf bayerisch und in dem nur 2 km entfernten Meierhof fränkisch gesprochen. Das widerlegt auch die besonders in älterer Literatur vertretene Theorie von der im Zuge staatlich gelenkter Kolonisation erfolgten Besiedelung des Fichtelgebirges nach der Jahrtausendwende von der Oberpfalz her.

Über die frühen obrigkeitlichen Verhältnisse sind wir wenig unterrichtet. Sicher ist, daß unser Gebiet Reichsland war und dem jeweiligen deutschen König oder Kaiser zur Verfügung stand. Die auf den Burgen des Fichtelgebirges sitzenden Ritter unterstanden unmittelbar der Reichsgewalt und wurden deshalb Reichsministeriale genannt.

Der nach dem Ende der Hohenstaufen einsetzende Verfall der Reichsgewalt ermöglichte auch den zollerischen Burggrafen von Nürnberg und späteren Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth, die mit dem Erwerb der Herrschaft Bayreuth durch Erbschaft im Jahr 1248 westliche Nachbarn des Fichtelgebirges geworden waren, ehemaliges Reichsland zu erwerben. In zielstrebiger Politik brachten sie ab 1285 nach und nach bis 1415 fast das ganze Fichtelgebirge durch Kauf von den meist adeligen Besitzern an sich.

Verwaltungsmäßig teilten sie es in die sechs Ämter Hohenberg, Wunsiedel, Weißenstadt, Kirchenlamitz, Thierstein und Selb ein, wodurch der Name Sechsämterland entstand. Bekanntlich kamen die Sechsämter mit der Markgrafschaft Bayreuth nach langer Herrschaft der Hohenzollern 1791 an Preußen und 1810 an Bayern.

Auch auf der Burg Schönbrunn saßen Reichsministeriale. Erstmalig wird in einer Urkunde vom 31.5.1217 ein Friedrich von Schönbrunn als Urkundenzeuge genannt. Da es aber auch bei Erbendorf einen Adelsbesitz mit dem Namen Schönbrunn gab und in Schönbrunn bei Weiden gleichfalls ein Adelssitz war, ist die Zuordnung fraglich. Am 26.4.1259 wird ein Rüdiger von Schönbrunn als Zeuge bei einem Vergleich zwischen Landgrafen von Leuchtenberg und dem Kloster Waldsassen aufgeführt.

Weitere Zeugen sind Heinrich von Bernstein und Hermann von Brand. Das ermuntert zu der Annahme, daß es sich um Schönbrunn bei Wunsiedel handelt.

In Betracht ist allerdings zu ziehen, daß auch in Bernstein bei Erbendorf ein Adelssitz war. Man sieht, daß eine zuverlässige Zuordnung schwierig ist. Der erste sichere Nachweis von Schönbrunner Burgherren stammt aus dem Jahr 1300 und bezieht sich auf Heinrich und Taut von Schönbrunn / Vater und Sohn), die ihren Stammsitz in Hertenberg bei Bleistadt nordöstlich von Eger hatten.

Wie sie in den Besitz der Burg kamen, ist nicht bekannt. Mit Urkunde vom 20.7.1314, die er später widerrief, versprach Traut von Hertenberg-Schönbrunn für den Fall seines Todes dem Kloster Waldsassen die Schenkung der Burg Schönbrunn und verschiedener Güter, darunter auch seine Besitzung in Drosen.

Er verhalf damit Tröstau zu ersten urkundlichen Nennung, denn daß es sich bei Drosen um Tröstau und bei der Besitzung um das Burggut handelt, ist nicht zu bezweifeln. Der letzte Besitzer der Burg Schönbrunn war Heinrich von Hertenberg. Er geriet mit den Burggrafen von Nürnberg in Streit und mußte 1344 die Burg Schönbrunn un das Burggut in Tröstau an sie abtreten.

Tröstau ist sicher einer der ältesten Siedlungen im oberen Röslatal. Wie schon bei der Besiedlung ausgeführt, sagt die erste urkundliche Nennung einer Ortschaft in der Regel nichts über ihr tatsächliches Alter aus. Die Lage an der früher sicher sehr fischreich gewesenen Rösla deutet auf eine frühe Ansiedlungszeit hin, in der neben Ackerbau und Viehhaltung auch Jagd und besonders Fischfang noch eine Rolle spielten.

Das Landbuch der Sechsämter von 1499, die älteste Aufzeichnung der landesherrlichen Besitzungen und Gerechtsame, nennt in Tröstau außer dem Burggut mit vier Seldengütern zwei ganze und vier halbe Bauernhöfe. Daran änderte sich auch in der Folgezeit wenig, denn die Zahl der existenzfähigen Höfe hing zwangsläufig von der zu Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Nutzfläche ab.

Schon frühzeitig entwickelte sich in Tröstau ein reges gewerbliches Leben, wobei das Hammerwesen eine besondere Rolle spielte. Bereits 1435 wird ein Hammer zu Trösten urkundlich genannt. Dieser Eisenhammer, in dem vorwiegend Roh- und Schmiedeeisen produziert wurde, war mit zeitweiligen Unterbrechungen über Jahrhunderte in Betrieb und mußte 1861 wegen Unrentabilität endgültig stillgelegt werden.

Gegen die Konkurrenz der neu eingeführten Koks-Hochöfen kam das alteingesessene Hammergewerbe mit seinen Holzkohlehochöfen nicht mehr auf. Der um 1593 westlich von Tröstau errichtete Neue Hammer, welcher 1676 in den Besitz der Leupoldsdorfer Hammerherren kam, war bis ungefähr 1837 in Betrieb. Im Jahr 1760 erfolgte bei Tröstau der Bau eines Rohrhammers, der aber schon bald in einer Mahlmühle umgewandelt wurde.

Länger bestand eine im Jahr 1803 gegründete Schmiedewerkstatt, auch Rollenfabrik genannt, die erst Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine Schreinerei ersetzt wurde.

Eine Besondere Bedeutung erlangte in Tröstau das Handwerk der Löffelschmiede. In mehreren Werkstätten wurden verzinnte Löffel angefertigt, die weithin Absatz fanden. Die Löffelschmiede konnten sich bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts behaupten.

Eine ähnliche Rolle wie das Gewerbe spielte in Tröstau der Bergbau auf Zinn- und Eisenerz. Im Jahr 1437 erhielt der Tröstauer Hammerherr von der Herrschaft ein Zinnwerk bei Tröstau verliehen. Tatsächlich ab ist der Zinnbergbau viel älter. Die letzten urkundlich faßbaren Belehnungen mit Zinnseifenwerken am Zinnbach westlich Tröstau erfolgten 1492 und 1498. Noch bedeutsamer erscheint die Gewinnung von Zinnerz am Glasbach gewesen zu sein.

In der Umgebung des Zinnschützweihers ist der Zinnbergbau seit 1481 urkundlich belegbar. Eingestellt wurde der Abbau überall wegen Erschöpfung der Lagerstätten. Noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts betrieb man kurze Zeit an der Rösla bei Tröstau und auf Furthammer zu die Zinnseifenwerke Goldene Rose, Weißer Schwan und Gelobtes Land, die aber wenig erfolgreich waren und mit Zubuße arbeiteten.

Der Bergbau auf Eisenerz in der Eulenloh bei Tröstau ist sicher mindestens so alt wie der Eisenhammer in Tröstau. Urkundlich wird das Eisenerzbergwerk in der Eulenloh erstmals 1489 in einem Berglehenbuch genannt. Die Gruben hießen Untere Eulenloh, Obere Eulenloh, St. Michael, Catharina Glück, Engelsburg am Vorholz und Einigkeit. In der Mitte des 19. Jahrhunderts mußten sie ihren Betrieb wegen Unrentabilität nach und nach einstellen, obwohl die Lagerstätten nicht erschöpft waren.

Ungefähr gleichzeitig mit dem Ende des Bergbaus auf Eisenerz gewann die Granitgewinnung an Bedeutung. Teils in Steinbrüchen und teils in Steinhauerhütten, den späteren Granitwerken, waren um 1900 im Bereich Tröstau über 130 Arbeiter beschäftigt. Trotz oft schwankender Konjunktur mit sinkenden Arbeiterzahlen blieb die Granitindustrie bis einiger Jahre nach dem 2. Weltkrieg ein fester Bestandteilder einheimischen Wirtschaft. Jetzt existiert nur noch ein Bruchbetrieb im Gemeindebereich.

Das alles wirkte sich prägend auf das Ortsbild aus. Bereits 1619 werden in Tröstau die ersten Trüpfhäuser, die Arbeiterwohnungen der damaligen Zeit, erwähnt. Im Güterverzeichnis von 1787 werden außer den bereits beschriebenen Bauernhöfen und dem Burggut mit Zugehörungen das Hammerherrenhaus, die Rohrmühle, 14 Trüpfhäuser, ein Hirtenhaus und ein dem Bergamt unterstehendes Trüpf- oder Zechenhaus genannt. Es zeichnete sich also schon die künftige Entwicklung zur überwiegend gewerblich orientierten Ortschaft ab. Zu erwähnen ist dazu noch, daß 1726 das Alte Wirtshaus die Zapfschenkgerechtigkeit bekan und 1833 den Neuen Wirtshaus die Konzession erteilt wurde.

Der alte Tröstauer Gewerbefleiß findet in der aufstrebenden und vielfältig orientierten einheimischen Wirtschaft seine Fortsetzung. Besonders zu erwähnen ist dabei der Aufschwung im Fremdenverkehr und die damit verbundene Verleihung des Prädikats Staatlich anerkannter Erholungsort für Tröstau und seine Ortsteile.

Abschließend ist noch auf die Zeit nach dem 2. Weltkrieg erfolgte Vergrößerung der Gemeinde Tröstau hinzuweisen. Im Jahr 1955 wurde Fahrenbach, das schon lange vorher überwiegend nach Tröstau orientiert war und nur noch aus geschichtlichen Gründen zur Gemeinde Nagel gehörte, nach Tröstau umgemeindet.

Bedeutender noch war die Erweiterung durch die im Zuge der Gebietsreform ab 1.1.78 durchgeführte Eingemeindung der Gemeinde Vordorf, zu der die Orte Vordorf, Vierst, Kühlgrün, Vordorfermühle und Waffenhammer sowie Seehaus gehörten, womit Tröstau zum Verwaltungsmittelpunkt im oberen Röslatal wurde.

Autor: Rudolf Thiem

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