13.08.2016

von B° RB

Erklärung von Michael Lerchenberg

Presseerklärung vom Intendanten der Luisenburg-Festspiele Wunsiedel

Michael Lerchenberg

Im Mai dieses Jahres habe ich den Ersten Bgm. der Stadt Wunsiedel, Herrn Karl-Willi Beck gebeten, dass ich von der in meinem Dienstvertrag vereinbarten Möglichkeit Gebrauch machen werde und wir meinen bis zum Herbst 2018 bestehenden Dienstvertrag als Intendant bereits zum 30.09.2017 im gegenseitigen Einvernehmen auflösen.

Ich werde dann 14 Jahre Intendant der Luisenburg-Festspiele gewesen sein. Am Theater eine sehr lange Dienstzeit. Mit Stolz darf ich sagen, dass ich in diesen 14 Jahren als Intendant Maßstäbe gesetzt habe. Insgesamt war ich 19 Sommer auf der Bühne der Luisenburg. Das ist fast die Hälfte aller Sommer in meinem Berufsleben. Diese Bühne hat mich geprägt und heute kann ich sagen, ich habe sie auch geprägt. Wir konnten und können gut miteinander.

Die neu eingeführte Sparte Musical ist heute ein Markenzeichen unserer Festspiele. 

Die Luisenburg Bühne wurde zur schönsten Konzertbühne Oberfrankens mit spektakulären Musikereignissen. 

Im Bereich gut gemachtes und anspruchsvolles Volkstheater haben wir inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal für ganz Bayern. 

Unsere Kinderstücke wurden zu einem Familienerlebnis für Jung und Alt mit viel Tanz und Musik, kleine Musicals. 

Auch Experimenten haben wir uns nicht verschlossen, der Krimi „Tannöd“, „Jagdszenen aus Niederbayern“ und zuletzt das Schauspiel – Tanz –Theater „Bluthochzeit“ haben die alte Bühne und das Publikum neu gefordert und starke, neue Akzente gesetzt.

Die Reihe LuisenburgXtra wurde im Museumshof gegründet. 

Das Felsenlabyrinth und der dort der „Alte Theaterplatz“ wurden als Spielstätten wiederentdeckt und neu belebt.

Die 2004 gegründete Theaterpädagogik ist inzwischen mit großem Erfolg ganzjährig tätig und bereichert das Kultur- und Bildungsangebot insbesondere in den dunklen Wintermonaten im Fichtelgebirge.

Die Theatergebäude wurden gewaltig saniert und erweitert. In die Bühnentechnik wurde kräftig investiert. Ein neues Proben-, Werkstatt- und Fundusgebäude wird im nächsten Winter noch dazu kommen. Die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel sind heute ein hochmoderner Theaterbetrieb geworden mit den besten Möglichkeiten.

Stolz bin ich darauf in 14 Jahren kein Stück zweimal gespielt zu haben, von Wiederaufnahmen des großen Erfolges wegen abgesehen. 

Das Stückangebot wurde gewaltig erweitert. Vieles war neu auf der Luisenburg: In 14 Jahren haben und hatten wir 7 Uraufführungen und 26 Stücke, die zum ersten Mal auf der Luisenburg gezeigt wurden. 

Trotz dieser neuen Herausforderungen für unsere Besucher hat die Intendanz Lerchenberg einen Zuschauerdurchschnitt von knapp 140.000 Besuchern jährlich. Das ist der beste Wert in der Geschichte der Luisenburg. 

Aber auch pekuniär haben wir gut gearbeitet. In der Gesamtschau ist meine wirtschaftliche Bilanz als Intendant absolut und sehr deutlich positiv.

Warum aber gehe ich?

Als ich im Herbst 2003 dieses Theater übernommen habe, war das eine in die Jahre gekommene Sommer-Dependance von Staatsintendanten. Die Zuschauerzahlen waren zurückgegangen. Der Investitionsstau war gewaltig. Die Strukturen in Organisation,  Bühnentechnik und der Verwaltung waren noch die aus dem Jahr 1890.

Soweit es in meiner Macht stand, wurden diese Strukturen systematisch verbessert und Schritt für Schritt professionalisiert. 

In der Verwaltung des Theaters allerdings nicht. Hierfür ist die Stadt zuständig, die Luisenburg-Festspiele sind ein städt. Regiebetrieb, der eigentliche Leiter der Festspiele ist der Bürgermeister. 

Seitdem Ausscheiden von Kämmerer Karl Ruckdeschel im Sommer 2007 hat es hier bis dato keine wirkliche Verwaltungsleitung gegeben. Vor allem bis dato keine, die den heutigen, deutlich gestiegen Anforderungen an eine professionelle Theater-Verwaltungsleitung erfüllt. 

Hinzu kommt die permanente, alljährliche Gradwanderung, wie diese Festspiele finanziell gesund durch den Sommer kommen. 

Auch die alleinige Trägerschaft der kleinen, finanziell gestressten Stadt Wunsiedel der größten deutschen Festspiele ist vollkommen anachronistisch. Wie soll so eine Stadt das Risiko tragen können bei einem Einspielsoll von 80%. 

Viele Politiker im Landkreis, die sich gerne mit mir oder dem Leuchtturm Luisenburg schmücken, haben, wenn es ernst wird, zugenähte Taschen und zeigen sich unbeweglich und nicht hilfreich. Goldene Ehrenmedaillen lösen die Probleme nicht!

Über all die Jahre ist das alles sehr belastend, zehrt aus und braucht mehr als gute Nerven. 

Wenn dann noch, wie im Winter 14/15 geschehen, die Luisenburg Teil der Schmutzkampagnen einer Wunsiedler Fundamentalopposition im Stadtrat wird, die Integrität meiner Frau als Künstlerin und somit auch meine Integrität als Intendant auf schmutzigste Weise angegriffen wird, dann ist Schluss mit lustig. 

Dann wurde auch noch ein Brief mit vertraulichsten Internas der Festspiele an die Presse durchgestochen. Schon damals habe ich mich sehr deutlich geäußert, dass ich mich für so eine miese Form der Politik nicht hergebe. 

Schon im letzten Sommer haben mir Freunde geraten doch gleich den Bettel hinzuwerfen. Ich habe das nicht getan. Die Festspiele waren in einer wirtschaftlich schwierigen Situation, wir hatten keinen VL und kein Marketing. Ich habe neben meiner Funktion als Intendant, Regisseur und Darsteller, eh schon ein Wahnsinn, auch diese Funktionen mit übernommen. Der Festspielsommer 2015 war dann sowohl künstlerisch als auch pekuniär ein großer Erfolg. 

Meine Begeisterung weiterhin als Intendant tätig zu sein, war aber merklich abgekühlt.

Zum Ende der Spielzeit 15 wurde bekannt, dass ein Hauptdarsteller des Sommers 2015 in einem täglichen Internetblog massivst die Stadt Wunsiedel, die Bewohner der Stadt, die Festspiele, deren Mitarbeiter und auch mich persönlich angegriffen und beleidigt hatte. 

Ich habe mich juristisch dagegen erfolgreich gewehrt. 

Die Stadt hat trotz meiner mehrmaligen Aufforderung nichts unternommen, um auch ihrerseits diesem Herrn eine klare und deutliche Antwort zu geben, wie es ihre Pflicht gewesen wäre. Denn die Stadt hat Ihren Intendanten, Ihre Festspiele und Ihre Bürger zu schützen, hat es aber nicht getan.

In der Summe fragt man sich dann schon, warum man sich hier eigentlich weiter so engagieren und aufarbeiten soll. Vor allem wenn man die Wertschätzung und den Respekt in dieser Stadt vermisst. Wenn etwa der 2. Bürgermeister bei der Neubesetzung der VL Stelle in der Presse davon spricht, einen Geschäftsführer über den Intendanten zu stellen. Das muss ich mir nicht bieten lassen.

Ich bin nun in einem Alter, wo man auch über andere schöne Dinge des Lebens nachdenkt. Und meine Karriere als vielseitiger Theaterkünstler habe ich gemacht. Ich will auch nicht enden, wie mein Vor-Vorgänger Hans-Peter Doll, der 3 Monate nach seinem Wunsiedel Abschied verstorben ist. 

Darum habe ich nach reiflicher Überlegung beschlossen, dass 2017 meine letzte Spielzeit sein wird. Mit dem Stück „Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard werde ich mich als Schauspieler von der Luisenburg verabschieden, so wie ich als Schauspieler 1980 hier begonnen habe.

Ausdrücklich danken möchte ich der Bay. Staatsregierung, Ministerpräsident Horst Seehofer, und dem Kunstministerium mit den Ministern Goppel, Heubisch und Spaenle. Ohne deren tatkräftige Mithilfe und finanzielle Unterstützung und verständnisvolle Förderung wären hier schon längst die Lichter ausgegangen. 

Auch die Regierung von Oberfranken und die Oberfrankenstiftung unter den Präsidenten Hans Angerer, Wilhelm Wenning und Heidrun Piwernetz war immer Förderer unseres Theaters und Freunde in der Not.

Ebenfalls bedanken möchte ich mich aber auch bei meinem Bürgermeister Karl-Willi Beck. Er ist kein Theaterprofi, aber hat ein feines Gespür für das Theater und seine Macher. Und vor allem liebt er diese Festspiele. Diese Liebe zur Luisenburg hat uns gemeinsam verbunden und so konnten wir Vieles erfolgreich auf den Weg bringen. Gegen einen Bürgermeister kann man hier nicht Theater machen. Mit ihm kann man sehr erfolgreich sein.

Ohne all die vielen Schauspieler, Regisseure, Bühnen- und Kostümbildner, Musiker und die vielen engagierten Kollegen hinter der Bühne und in den Büros wäre dieser andauernde Erfolg dieser Festspiele nicht möglich gewesen. Stellvertretend möchte ich hier meinen langjährigen Mitstreitern, den Technischen Leiter Jörg Brombacher und unser Ehrenmitglied, die Betriebs-Direktorin Martha Baumeister-Boettge nennen. 

Ein ganz besonderer Dank gilt meiner Frau. Sie ist meine wichtigste Ratgeberin und selbst eine hervorragend qualifizierte Künstlerin, was Sie auch des Öfteren auf der Luisenburg bewiesen hat. Insbesondere ihre heuer herausragende Inszenierung der „Bluthochzeit“ war die richtige und sehr deutliche Antwort auf die Intriganten und Miesmacher des letzten Jahres.

Als freier Künstler, Schauspieler und Regisseur bin ich 2004 hierhergekommen – als freier Künstler, Schauspieler und Regisseur werde ich 2017 diese Festspiele wieder verlassen.

Meiner Luisenburg wünsche ich für die Zukunft viel Glück, toi, toi, toi!

Michael Lerchenberg

Passend zum Thema

Am Sonntag, den 31. August 2016, zur Vorstellung des Schauspiel-Tanz-Theaters "Bluthochzeit" wurde es offiziell: der 100.000ste Besucher der diesjährigen Festspiele ist ein Berliner

Teilnehmer der diesjährigen BR-Radltour werben im Luisenburg-Trikot für die Festspiele

Die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel erwarten am kommenden Sonntag ihren 100.000sten Besucher in dieser Spielzeit

Mehr aus der Rubrik

Mit der Reihe "LuisenburgXtra" kommen Musik, Kabarett, Literatur und ein Klassiker in den Museumshof von Wunsiedel

Der Erfolg nimmt kein Ende: DAS DSCHUNGELBUCH bleibt der Renner. Eine zusätzliche Vorstellung kommt auf die Luisenburg

Die Luisenburg-Festspiele engagieren weitere hochkarätige Künstler für ihr Rahmenprogramm

Teilen: