21.03.2018

von B° RB

Unterwegs

Jubiläumsausstellung zum 80. Geburtstag von Horst Kießling im Künstlerhaus Schirnding

Horst Kießling im Künstlerhaus Schirnding

Unter dem Motto „Unterwegs“ wurde am 9. März im Künstlerhaus Schirnding die Jubiläumsausstellung anlässlich des 80. Geburtstages des freischaffenden bildenden Künstlers Horst Kießling eröffnet. Nach einem einleitenden Musikstück - auf der Oboe meisterhaft von Daniel Wiget vorgetragen – begrüßte der Vorsitzende des Fördervereins, Herr Reiner Wohlrab, eine große Anzahl von Besuchern, u.a. Landrat Dr. Karl Döhler, Bgm J. Hoffmann, Seniorenbeauftragten Horst Weidner, den Vorsitzenden des Kunstvereins Hochfranken Herrn Dr. Triebel sowie zahlreiche Lehrerkollegen aus früheren Tagen.

Als Kulturreferent der Stadt Marktredwitz würdigte Herr Kurt Rodehau das weit über die Region und Deutschland hinaus bekannte Schaffen des Künstlers. Als ehemaliger Schulamtskollege und guter Freund von Horst Kießling erwies sich Herr Schulamtsdirektor a.D. Gerhard Schott als exzellenter Laudator der Vernissage. Er nahm den Leitgedanken „Unterwegs“ als roten Faden für seine Ausführungen.

Als Schüler kopierte er Werke großer Künstler: Mit Wachsmalkreiden Bilder von Franz Marc und mit Wasserfarben Werke von Frans Hals und vor allem von Paul Klee. Die nächsten Schritte waren mit Bleistift gefertigte Naturstudien und als Gymnasiast der Einstieg ins expressive Malen. In diesem Zusammenhang schwärmt Horst Kießling bis heute von einem Kunsterzieher, der ihn mit außergewöhnlichen Unterrichtsmethoden begeisterte. Wahrscheinlich - so der Laudator - hat er sich von diesem Pädagogen so manches abgeschaut, war er später doch selbst ein Lehrer mit Herzblut und Charisma, der - was gar nicht ausbleiben konnte - Karriere machte und zum Seminarrektor, Schulrat und schließlich Schulamtsdirektor aufstieg, der in der Lehreraus- und Lehrerfortbildung originäre Akzente setzte und verschiedene Werke veröffentlichte. Später dann stand für Horst Kießling das Geometrisch-Abstrakte im Mittelpunkt seines Arbeitens, oft reduziert auf ein bis zwei Farben, z.B. schwarz-weiß.

Heute kann man bei seinem künstlerischen Schaffen von einer Rückkehr zu Schöpfung sprechen - dabei alles offen für Interpretationen. Schott verwies in diesem Zusammenhang auf den französischen Schriftsteller Henry Bordeaux, der einmal sagte: „Es gibt keinen großen Künstler, der nicht eine maßlose Liebe zum Leben besäße.“ Diese Einstellung passt zu Horst Kießling, der sein Unterwegssein auch dergestalt genießt, dass er sich - mit seiner kongenialen Frau Bärbel - wochenlang im Wohnmobil auf Reisen begibt. Dort können beide ihre Eindrücke                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                als Aufwind unter ihren Gedanken spüren, dort können sie gemeinsam beim intensiven Schauen Neues entdecken, können sie einsammeln. Dazu passe - so Schott - das heilsame Goethewort, mit dem Stefan Zweig seine berühmte „Die unsichtbare Sammlung“ schließt: „Sammler sind glückliche Menschen.“

Man sieht beiden das Glück an, resümierte der Laudator, der auch erwähnte, dass sie auf ihren Riesen vieles einsammeln: Schwarze und graue Asche von der Insel Lanzarote, Sand aus der Wüste Sahara, Papier aus Nepal, Gold aus Myanmar und im vergangenen Sommer von der Islandreise Treibholz aus Sibirien - alles Fundstücke, die nicht vor Ort, sondern zu Hause zu Bildern und Skulpturen verarbeitet werden. Das kann mitunter erst nach Jahren geschehen, wobei durch das scheinbare Vergessen Reduktion, Abstraktion und Transformation geschieht und sich neue Blickwinkel eröffnen, die dann in die Werke einfließen. Ziel all seines Arbeitens ist es, dem Betrachter etwas weiterzugeben, ihn anzurühren und auch zu begeistern für die wunderbare Welt. Sie fallen beim ersten Hinsehen auf, die quadratischen Formate.

Fragt man den Künstler nach dem Warum, erhält man interessante Antworten: „Das Quadrat verströmt Ruhe, Ausgewogenheit und auch Freiheit, weil keine Richtung dominiert, sodass das Werk erst auf der Fläche die Richtung, die Dynamik bestimmt.“ Ausgestellt sind auch die  neuesten Arbeiten von Horst Kießling - ohne Titel; alles grafische Mischtechniken mit Walze, Abklatsch, Monotypie. Aus dem bereits genannten sibirischen Schwemmholz sind Unikate entstanden, wobei kombiniert wird mit kontrastierenden Elementen.                                                                                       Einige der dabei entstandenen Plastiken und Keramiken, die ausschließlich von Bärbel Kießling gefertigt wurden, stellen eine reizvolle Ergänzung der Ausstellung dar. 

Eine äußerst gelungene Vernissage und eine beeindruckende Ausstellung bilden den würdigen Auftakt für die Saison 2018 im Künstlerhaus Schirnding. Es lohnt sich sehr, diese Ausstellung zu besuchen. Sie findet vom 09.03. bis 22.04.2018 statt und kann jeweils samstags und sonntags von 14:00 – 17:00 Uhr und nach Vereinbarung besichtigt werden. 

Nächster Termin: Sa, 24. März, 19.00 Uhr „Frühlingsklänge“ mit Akkordeonissimo aus Selb. 

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