10.12.2018

von B° RB

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

Verbrecher, Verführer und andere Kamele: Die Luisenburg-Festspiele bringen aktuelles politisches Theater nach Wunsiedel

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

"Das war unbedingt notwendig", sagt Birgit Simmler, die künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele über das viel diskutierte Gastspiel "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" von Bert Brecht, das im Juli gezeigt wird. "Theater, wie wir es verstehen und wie es bei den Festspielen Tradition hat, ist immer unterhaltsam und spannend, nichtsdestotrotz aktuell und auch politisch. Gerade in diesen polarisierenden Zeiten ist der Klassiker Brechts von brennender Aktualität."

Fakten
"Arturo Ui"

Premiere am 19. Juli 2019 (im Zirkuszelt)

Das Stück, mit Blick auf den Aufstieg Hitlers in den 30er Jahren als Gangsterposse im Exil geschrieben, sollte die Machtübernahme zwielichtiger, krimineller Elemente und deren Folgen für ein Gemeinwesen exemplarisch darstellen. "Bert Brecht hat das nicht als Schul- und lahmen Belehrungsstoff geschrieben, sondern mit Blick auf Hollywood", so Brigit Simmler weiter, "also wie einen Krimi, der schräg, drastisch und ohne Rücksicht den Weg eines Gangsters an die Macht schildert."

Brecht dachte dabei auch an Verbrecher wie den legendären Al Capone und wie diese die Gesellschaft zuerst manipulieren, dann Schritt für Schritt kriminalisieren und am Ende die Macht übernehmen.

"Der Arturo Ui hat alles, was ein Theaterkrimi braucht und ist in seinen Mitteln so rücksichtslos wie die Figuren, die er vorführt", schwärmt Birgit Simmler über das Gastspiel, das hervorragende Kritiken bekommen hat und dessen Inszenierung dem Stoff neues Leben einhaucht. "Als Schauspiel im Zirkuszelt, mit circensischen Effekten wie Seiltanz, Stelzenlauf, einer Trapeznummer und zwei mongolischen Trampeltieren, wird Uis Aufstieg zu einem Tanz auf dem Vulkan inmitten der Zuschauer. Das ist alles drin: Revue, Zirkus, Posse, Krimi und Theater."

Die Schauspieler, die sich extra für die Inszenierung artistisch geschult wurden, zeigen wie Politik zum Geschäft wird, sich korrumpieren lässt und sich den Interessen des Geldes und der Gier unterwirft.

"Wem das bekannt vorkommt, der versteht, was Brecht will: politisches Theater, das aufklärt und fasziniert, auch heute", begründet Birgit Simmler ihren Entschluss, dieses Gastspiel nach Wunsiedel zu holen, "in einer Stadt, die sehr genau weiß, wie menschenverachtender Ungeist marschiert und wie schwierig der Kampf dagegen ist. Hier passt es her."

"Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" von Bert Brecht wird im Sommer nur siebenmal in einem Zirkuszelt in Wunsiedel gezeigt.

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