Die Geologie des Fichtelgebirges

Können Sie sich das Fichtelgebirge als Küstenlandschaft vorstellen? Zugegeben, das fällt schwer. Und doch könnte es vor Jahrmillionen einmal so gewesen sein, als das Jurameer bis an die "böhmische Landmasse" heranreichte, auf deren Rand das Fichtelgebirge liegt. Werfen Sie mal einen Blick auf die geologische Karte Bayerns und Sie werden eine Verwerfung bemerken, die das so genannte "Alte Gebirge" mit seinen Granitformationen als "Fränkische Linie" vom westlich davor liegenden Bruchschollenland trennt.

Vor 540 Millionen Jahren ist unser Fichtelgebirge entstanden und war damals viel höher als heute vergleichsweise die Alpen. Hufeisenförmig haben es gewaltige Erdkräfte in die Landschaft gehoben, haben ihm zugesetzt, es mit Verschiebungen wie der "variskischen Faltung" traktiert und es schließlich durch Erosion teilweise wieder abgetragen. Der Granit übrigens, der heute den größten Anteil an den Gesteinen ausmacht, ist "nur" etwa 330 Millionen Jahre alt; die ältesten Gesteine gehören der "Arzberger Fazies" an.

Aber was will das schon heißen, kommen hier doch rund 40 Prozent aller auf der Erde vorhandener Gesteine, Mineralien und Erze vor. Sogar solche, die es nur hier gibt, wie das Beispiel des bei Marktredwitz gefundenen Redwizits zeigt. Oder solche, die aufgrund ihrer Größe einmalig in Europa sind wie der Eklogitbrocken "Weißenstein", der der "Münchberger Gneismasse" aufsitzt.

Überhaupt die "Münchberger Gneismasse" - sie gehört zu den letzten noch nicht vollständig gelösten Rätseln der Geologie unseres Raumes. Nach der derzeit gültigen Theorie stammt sie wahrscheinlich aus der Gegend des heutigen Moldawien und hat sich auf ihrer Reise über das Fichtelgebirge hinweg geschoben, um dann nordwestlich davon in einer Mulde endgültig zur Ruhe zu kommen.

An manchen Stellen unseres Fichtelgebirges, an Steinbrüchen und Erdaufschlüssen, lässt sich heute noch ein Blick in das Jugendantlitz unserer Erde werfen. Hier können Sie noch das Werden unseres Heimatplaneten verfolgen und sich die Zustände in der "brodelnden Hexenküche" der Frühzeit vor Augen führen (lassen).
Naturkundliche Exkursionen bringen Sie zu besonders interessanten Stellen, in den Besucherbergwerken können Sie die Bergbaugeschichte des Fichtelgebirges erleben, die ja auf der Mannigfaltigkeit der Lagerstätten beruht, das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel zeigt Ihnen alle Gesteine und Mineralien, die jemals hier gefunden wurden, und das Natursteinarchiv der Steinfachschule dort lässt Sie ahnen, was man daraus machen kann.

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